Sommerloch

Liebe Leserin,
Lieber Leser,
dies ist ein etwas ungewöhnlicher Blogpost von mir. Es ist der erste seit drei Monaten, nachdem ich im Sommer 2017 nach einigen emotionalen Turbulenzen ausschließlich Texte zur eigenen Verarbeitung geschrieben habe. In diesem Artikel möchte ich Auszüge aus meinen Notizen zu bestimmten Erlebnissen mit dir teilen. Bitte verstehe, dass ich bestimmte Aspekte und Ereignisse nur umschrieben habe, da es sich hierbei zumindest teilweise um zwischenmenschliche Themen handelt. Und bitte sei dir bewusst, dass diese Texte auch Zeugnisse meiner Prozesse und Entwicklungen über den Sommer 2017 hindurch sind und diese sich währenddessen auch mehrfach verändert haben. Sie prägen, so wie jeder Zeitabschnitt, meine Gegenwart, lassen sich jedoch nicht mehr 1:1 ins Jetzt übertragen.

 

Convention in Berlin, Mitte Juli 2017

Mein Wochenendtrip nach Berlin zum Treffen mit Bloggerfreunden* begann mit einem AUA-Flug mit Aussicht über meine Heimatstadt. Dabei kamen Zustände des Verwurzelt-seins und Emotionen der Demut und Dankbarkeit in mir hoch. Das ist meine Heimatstadt. Hier bin ich geboren. Hier lebe ich. Alles fühlt sich vertraut und geborgen an. Es breitet sich ein Gefühl von Sicherheit und achtsamer Beständigkeit in mir aus. Zwei Aspekte, die mir momentan sehr wichtig sind. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die genau das ausstrahlen. Und nicht zuletzt möchte ich diese Eigenschaften in mir selbst kultivieren.

Obwohl die Maschine mit Verspätung startete, kam ich dank rekordverdächtiger Flugzeit überpünktlich in Berlin-Tegel an. Vom Flughafen ging’s dann direkt ins gemeinsame Hostel und danach zum Lokal, wo wir alle erstmals zusammenkamen.

Für das gemeinsame Arbeiten am Samstag haben wir eine Seminar-Location in einer abgeschieden wirkenden Gegend mitten in Neukölln organisiert. Die hier vorherrschende Stille kombiniert mit meiner aktuellen Gefühlslage, die in mir ein Bedürfnis nach Zurückziehung und Sammlung auslösten, ließen diesen Workshop für mich persönlich teilweise wie ein Mini-Retreat wirken. Ich hatte bevor ich hierher kam die Befürchtung, dass ich in Bezug auf meine Blogentwicklung nicht auf demselben Level und in anderen Ebenen unterwegs bin wie meine Bloggerkollegen*. Dies traf insofern auch ein, dass ich bemerkte, dass ich das auch unbewusst ausstrahle. Meinem Coach Robert Kraxner, sozusagen Host dieser Convention, fiel auch sofort auf, dass etwas mit mir anders ist als sonst. Es war für mich sehr schön zu spüren, dass mir von ihm und auch allen anderen der Raum gegeben wurde, meine Bedürfnisse im Sinne meiner Eigenverantwortung mitzuteilen und danach zu handeln.

Heimwärts ging es dann am Sonntag nach einem letzten gemeinsamen Brunch – für mich gab’s den Premierenflug mit der Ryanair von Berlin-Schönefeld nach Bratislava und dann mit dem Bus nach Wien. Erschöpft, aber zufrieden kam ich dann abends zuhause an.

 

Sommerloch, Ende Juli – Mitte August 2017

Ich spiele dieses Spiel nicht mehr mit. Ich habe genug davon, mich selbst zu verleugnen. Kein Selbstbetrug, keine Kompromisse. Meine Gefühle sind echt und ich darf sie anderen mitteilen, ohne dabei jemanden zu verletzen, aber auch ohne mich dabei zu verletzen, indem ich mich verbiege. Das ist es mir nicht mehr wert. Nur um meine Mitmenschen zufriedenzustellen, damit kein Konflikt entsteht oder sie gar aus meinem Leben zu verlieren – nein, es gibt etwas Wichtigeres als die Liebe und Zuneigung von außen, nämlich die Liebe zu sich selbst. Der eigenen Linie treu bleiben – nicht darauf versteifen und immer wieder neu ausrichten, aber sie niemals verlassen.

Das ist ein Prozess und der ist natürlich nicht einfach, es tut sehr weh. Es geht darum, alte Denkmuster und Schmerzen zu erkennen und loszulassen.

Halt!

Dazu habe ich noch etwas erkannt…diese Denkmuster und Schmerzen entstehen durch Projektionen, diese wiederum durch Erlebnisse und Erfahrungen, die bis in die früheste Kindheit zurückreichen können. Solche Projektionen können sehr leicht und unbewusst auf andere Menschen übertragen werden. Ich schreibe dies nur deswegen, weil es eine Erfahrung ist, die ich selbst gemacht habe. Ich habe eine für mich wertvolle Person damit verletzt. Daraus durfte ich lernen, mein Bewusstsein mehr dahingehend auszurichten, meine Projektionen zu erkennen, mehr Sensibilität zu kultivieren und meine Gefühle in einer solchen Art und Weise auszudrücken, dass ich komplett zu mir selbst stehen kann und gleichzeitig auf die Gefühle anderer Acht gebe.

 

Rückzug, Ende August 2017

In der ersten meiner beiden Urlaubswochen hatte ich gemeinsam mit einem langjährigen Freund eine Reise nach Hamburg gebucht. Wir waren auch schon am Flughafen beim Boarding, als es plötzlich hieß, die Maschine sei kaputt. Nach einem mehrstündigen Aufenthalt auf den Gates hat sich herausgestellt, dass es für uns keinen vertretbaren Alternativflug gab und somit stornierten wir den ganzen Urlaub. Wären wir mit der Bahn gefahren, hätten wir in diesem Fall unser Ziel wohl doch eher erreicht…

Die nächsten Tage habe ich großteils daheim verbracht. Fad wurde mir dennoch nicht und fand auch kaum Zeit zum Schreiben, denn für das alljährlich angesetzte Retreat (Rückzug in ein buddhistisches Zentrum) für junge Menschen in der zweiten Woche gab es aufgrund von überraschend eintretenden Veränderungen viel zu überlegen und kommunizieren. Schließlich haben wir als private und selbstorganisierte Gruppe eine wunderschöne gemeinsame Woche erlebt – zumindest das hat sich im Vergleich zu den Jahren davor nicht geändert. Dabei konnte ich mich auch mit den Gefühlen und Erfahrungen, die ich in den Wochen zuvor erlebt hatte, nochmal auseinandersetzen.

Der Sommer ist zwar nun vorbei, aber manche Löcher lassen sich nur mühsam stopfen…

 

Der Wollknäuel, Mitte September 2017

Ich wollte ihn lösen, so wie mein inneres „Chaos“ – das perfekte Spiegelbild.
Es ist eine Geduldsfrage. Manchmal kommt man nicht weiter. Manchmal dreht man sich im Kreis. Manchmal muss man auch loslassen können. Erst wenn man die Dinge akzeptiert, wie sie sind, kommt man zur Lösung.

 

*allesamt männlich, daher nicht gegendert

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