Farben

Diesen Text habe ich vor drei Jahren (2017) geschrieben. Irgendwie hat er es bis jetzt nicht auf den Blog geschafft. Beim Durchwühlen meines persönlichen Textarchives bin ich draufgekommen, dass jetzt möglicherweise der richtige Zeitpunkt gekommen ist, ihn zu veröffentlichen.

Wir reden alle von demselben 
Und trotzdem spricht jede*r anders 
Es sind nur verschiedene Facetten 
Die sich vor demselben Weg vereinen 
 
Jede*r auf ihre Art und Weise 
Trägt ihren Teil zum großen Ganzen bei 
Das Schiff wird von vielen Völkern bewohnt 
Und in eine gemeinsame Richtung gelenkt 
 
Hot and cold 
Rock and roll 
Black and white 
Shame and pride 
 
Ich sehe dich nun etwas klarer 
Da wo du deine Maske ablegst 
Kommen deine wahren Farben 
Immer stärker zum Vorschein 
 
Da wo ich dich hüllenlos sehe 
Verliere ich die Angst vor meinem Untergang  
und die Begierde nach deiner Anmut 
Ich sehe die Verbundenheit in allem, das existiert 
 
Pureness and blindness 
Fullness and emptiness 
Pride and shame 
It’s all the same 

Ich glaube an das Nicht-Selbst. Über Leben und Tod

Eine Änderung des Profilbildes der privaten Facebook-Seite des Textverfassers (also meine Wenigkeit) zeigt ebendiesen auf dem buddhistischen Stupa in Wien-Freudenau, versehen mit der Beschreibung “Faith in my non-self“, auf Deutsch “Der Glaube an mein Nicht-Selbst”. 

Im Buddhismus wird von anatta, der Nicht-Existenz des Selbst, gesprochen. Also der Vergänglichkeit aller physischen Formen. Nichts von alldem bleibt von Dauer.  

Dazu muss noch erwähnt werden, dass im Buddhismus auch nicht von der Existenz einer Seele gesprochen wird, im Gegensatz zum Hinduismus. 

Wann immer ich jemanden versucht habe, diese Betrachtung des Nicht-Selbst zu erklären, wurde mir entgegnet, dass in uns trotzdem “etwas sein” muss, denn sonst würden wir ja gar nicht existieren. 

Doch dann sah ich ein Video von Zen-Meister und “Plum Village”-Gründer Thích Nhat Hanh, wo unter anderem dieses Thema (gemeinsam mit dem ebenfalls bekannten und mittlerweile verstorbenen Ram Dass) behandelt wurde. Er verwendete dafür das Beispiel einer Blume. Diese wächst und gedeiht durch Sonne, Wasser, Bestäubung usw. Er nannte diese Anteile frei übersetzt “Nicht-Blume-Bestandteile“.  

So ist es auch mit dem Menschen. Wir bestehen zu 70% aus Wasser. Wir tragen viele verschiedene Organe, Knochen, Körperflüssigkeiten etc. in uns. Also alles “Nicht-Mensch-Bestandteile“. Erst alle Puzzles zusammen machen uns zu denen, die wir sind. Natürlich macht uns das zu einem Wunder. Wie auch jede andere Existenz eines ist. Und doch nehmen wir uns selbst oft so wichtig. Haften uns an kreierten Etiketten, wie wir oder andere sein sollen bzw. etwas zu sein hat. Dabei sind wir nur ein Staubkorn in diesem Universum. Eben ein Bestandteil von etwas Größerem. 

Leben und Tod

Die Lehre des Nicht-Selbst hat mir definitiv auch dabei geholfen, besser mit der Realisierung unserer Existenz und unserer Vergänglichkeit umzugehen. Leben und Tod. Mein ganzes Leben schon habe ich manchmal so Momente, wo ich die Existenz von Allem einfach nicht wahrhaben kann. Am ehesten passiert mir das, wenn ich alleine bin. Als ich jünger war, bekam ich dabei fast schon Panikattacken, musste mich beruhigen, bewusst atmen und versuchen, an etwas anderes zu denken. Anders ging es dann auch gar nicht mehr.  

Durch die buddhistische Lehre habe ich in diesen essentiellen Aspekten unserer Existenz deutlich mehr Entspannung gefunden. Ein Sprichwort besagt, “so wie die Dinge sind, sind sie schon vollendet.”  

Das Leben kommt und geht. Daraus erübrigt sich auch die lineare Vorstellung von Zeit. Denn dadurch, dass die Dinge bereits vollendet sind, haben sie auch keinen Anfang und kein Ende. Deswegen fürchte ich mich nicht vor dem Tod. Und auch nicht vor dem Leben und allem, was dazwischen liegt. Das bekomme ich auch noch hin. 

Wir Menschen sind nur ein kleiner Bestandteil in diesem Universum, welches nichts anderes als der Zustand von Bewusstsein ist. All das, was uns physisch und psychisch ausmacht, ist nicht Teil unseres “Selbst”, sondern des “Bewusstseins”. Damit meine ich nicht einen Zustand, den man irgendwie “erreichen” muss, sondern etwas, das ständig da ist. In allem, was existiert. Oder wir glauben, dass es existiert. 

Doch ich bin davon überzeugt, wir können aufgrund unserer Fähigkeiten und Intelligenz noch viel mehr zu diesem Bewusstsein beitragen, als wir glauben. Leider sind die meisten von uns (mich natürlich eingeschlossen) zu sehr verhaftet in unserem Denken und Prägungen aus früheren Tagen und auch aus früheren Leben. 

Was kann uns unterstützen auf dem Weg zu einem Leben in höherem Bewusstsein? 

Schreibe mir gerne Deinen Ansatz als Kommentar! 🙂

So wie es war. Neulich in der Bahn

So wie es war. 

Neulich in der Bahn. 

Hier trifft man sich öfters. 

Ich sah erst, dass er links gegenüber von mir saß, als ich mich fürs Aussteigen vorbereiten wollte. In der einen Hand sein Bier, neben ihm abgelegt sein Rucksack.

”Ah, servas.” 

“ Wie geht’s in da Orbeit?” 

Wienerisch kann man nicht als App runterladen. 

“Ja, eh gut. Und bei dir?” 

“ Ned so guat. Heit hob i 3 Zeitungen verkauft.” 

Wohlstand kann man auch nicht als App runterladen. 

“ Des is ned vü. Naja bei dem Wetter…” 

“Oasch Weda heit. Wüst ane?” 

Während er seinen Rucksack öffnet, krame ich mein Geldbörsl hervor und finde erst mal nur Schotter. 

“Zwa-fuffzig warats.” 

Ich gebe ihm fünf. 

“Kriegst wos retour?” 

“Na, loss steckn.” 

“Wohnst du no bei die Ötern?” 

“Na, I wohn scho ala.” 

“ Host a schene Wohnung?” 

“Mhm.” 

“Wie groß?“ 

“Groß genug für mich.” 

“Wos zoist?” 

“xxx.” (Eigentlich hab ich irgendwas gesagt. Ein bisschen Understatement halt.) 

“Kriegst du wos zruck?” 

“Na, loss steckn.” 

“Oasch Weda heit.” 

“Jo, heit is schiach.” 

“Wos oabeitst du?” 

“…” 

“Wos mochst jetzt no? Kochst wos?” 

“Jo, I wer ma jetzt no wos mochn.” 

“I hob ma gestern Spare Ribs kauft.” 

“Wo hostn de kauft?” 

 “Beim Billa. Kriegst du wos zruck?” 

“Na, loss steckn.” 

Ich verabschiedete mich, da der Zug in die Station einfuhr und ging Richtung Tür. 

Er wünschte mir noch einen schönen Tag. 

Normalerweise geb ich selten was her. Ich kann ja nicht allen helfen und es gibt auch viele Betrüger, sage ich mir oft. Aber diesmal hatte ich dieses naive, aber unzerstörbare Gefühl, als hätte ich gerade die Welt verändert. 

Hinter mir das Licht

Hinter mir das Licht

Die Sonne, die untergeht

Vor mir der Weg hinein

Der Wald, der ruft


Verzweifelt will ich Zuflucht nehmen

Das Bedürfnis nach Verbindung

Die Hoffnung auf Erlösung

Immer weiter folge ich dem Weg


Die Dunkelheit des Waldes

Die Furcht vor dem Ungewissen

Die Bedrohung des Unscheinbaren

Es ist nichts außer Einbildung


Kein Wald, nur Bäume

Da, eine Weggabelung!

Vielleicht Trennung, vielleicht Wiedervereinigung

Eine Wendung des Schicksals oder nur Obsession?


Einen Baum hab ich gefunden

Einen Meister hab ich entdeckt

Leben wächst aus ihm heraus

Und er steht tief verwurzelt


Plötzlich Stimmen, plötzlich Gefahr

Das Trauma ist zurückgekehrt

Weiter hinauf in die Deckung


Still, leise und abwartend

Wie ein Reh, das beobachtet

Langsam den Weg zurück


Plötzlich Stimmen von hinten

Jetzt aber nichts wie raus

Von vorne kommt auch was

Jetzt egal, was soll passieren?


Hinter mir die Dunkelheit

Immer weiter eile ich hinaus

Der Alleingang setzt sich fort


Vor mir ist nichts mehr wie zuvor

Der Traum ist geplatzt

Das Licht ist verschwunden

Voller Leben

Was ist das „Gute Leben“?

An einem sonnigen Freitagnachmittag bei Hannah und Dominik vom Verein „Voller Leben“ hatte ich das Gefühl, dieser Frage näher zu kommen.

Innerhalb eines Jahres hat sich hier viel getan. Mit viel Freude sehe ich eine neu angelegte Ecke für Gemüse und Pflanzen. Genauso wie einen Kräutergarten. Und seit letztem Sommer gibt es hier auch Bienenstöcke. Jedoch hat der „Honig-Jahrgang 2019“ keinen guten Start hingelegt nach dem warm-kalten Winter und einem kühlen, regenreichen Frühjahr. Die aktuell sommerlichen Temperaturen lassen jedoch Zuversicht verbreiten, dass es doch noch eine reichliche Honig-Ernte geben wird.

Auch wenn, oder gerade weil hier viel Grün vorherrscht, sind auch die Menschen, die hier wohnen, voller Leben. Nicht nur, dass das zugehörige Haus als WG geführt wird, es bringen sich auch die hier wohnenden Menschen auf unterschiedliche Art und Weise ein. Nicht umsonst verstehen sie sich als „Forschungsfeld für sozial und ökologisch nachhaltiges Leben“.

An diesem besagten Nachmittag hat Dominik ein paar Leute mit in die Welt des Bogenschießens genommen. Seit etwa 10 Jahren betreibt er schon diese Leidenschaft. Mittlerweile baut er schon eigene Bögen und hält auch Kurse dazu ab. Die Einführung ins Schießen nahm ich einerseits körperlich wie auch geistig fordernd, gleichzeitig aber auch entspannend wahr. Dabei konnte ich auch Parallele zu meiner Meditationserfahrung sehen.

Apropos Meditation: Hannah habe ich 2012 damals noch bei der Buddhistischen Jugend kennengelernt. Mittlerweile bietet sie schon selber Meditationsabende an, genauso wie Coaching oder Workshops zu natürlicher Verhütung.

Es ist für mich einfach schön zu sehen, wie über einen längeren Zeitraum etwas Fruchtbares aus dem Boden wächst. So wie eben draußen im Garten. Ich bin sehr gerne an diesem Ort und bei diesen Menschen, weil ich hier so viel Hoffnung spüre. Es erinnert mich an mein Bestreben nach mehr Verbundenheit nicht nur zu mir selbst, sondern auch zu der Natur und den Menschen, die auf sich und das kollektive Leben achten.

Was ist das „Gute Leben“?

An diesem Nachmittag hatte ich das Gefühl, der Antwort auf diese Frage näher zu kommen.

Hier geht’s zur Webseite von Voller Leben.

Gastartikel: Vom Wesen des Seins und dem Raum dazwischen

Neulich, bei einem gemeinsamen Spaziergang, haben wir über Vorbildwirkung gesprochen. Nach diesem Gespräch wurde mir klar, dass mein Fokus auf authentische Haltung in meinem Leben nicht zuletzt durch meine Mutter mitgeprägt und unterstützt wird. Daher freut es mich besonders, dass sie  –  wenn auch etwas unerwartet  –  den ersten Gastartikel für meinen Blog geschrieben hat. // Mathias


Martina Lederer vom Verein faireint mit Herz ganz authentisch über ihre Erlebnisse in ihrer Berufung und überhaupt im Leben:

Da sitze ich und schreibe die Überschrift für all das, was zum Ausdruck kommen will und bin schon mittendrin in der Energie dessen was gerade IST, werde richtig reingezogen.

Für diesen Bruchteil einer Sekunde wird es weit in mir. Dieser kleine Moment, der so leicht zu übergehen ist weil der Verstand sagt: konzentriere dich, überlege gut deine Worte die du hier niederschreibst!

Nein.

Ich lasse diesen Moment der Weite in mir zu. Gebe dem nach, was sich in mir fühlen lassen will.

Und ich fühle das junge Mädchen in mir, das so gern gelesen und geschrieben hat. In mir werden Bilder lebendig, während ich hier schreibe, ich kann es spüren, riechen….damals…wie es war. Wie ich war, wenn ich Bücher verschlungen habe und Gedichte, Kurzgeschichten in müheloser Leichtigkeit quasi aus dem Ärmel beutelte.

Eine Mischung aus süßer Wehmut, Freude, Begeisterung und Energie die gelebt werden will, steigt in mir hoch. Ich merke, dass ich schmunzle. Ich spüre mein warmes, weites Herz in mir und die Dankbarkeit mir selbst gegenüber, diesen Raum dazwischen, zwischen dem Verstand der „korrekt“ schreiben will und der kleinen Sekunde, als sich das Mädchen in mir meldete, zugelassen zu haben. Das hat was von Freiraum.

Dieser Raum dazwischen ist so unglaublich vielschichtig und in allem Leben fühlbar, wenn wir uns öffnen dafür. Es ist dieser Moment der Zehntelsekunde des Öffnens, wo sich in meinem Wirken mit Menschen das Fenster zu unseren Seelen öffnet.

Wo echte Begegnung stattfindet. Wo Selbstheilungsprozesse beginnen.

Wo sich unsere Herzen begegnen und so spürbar ist, dass wir alle eins sind.

Wo sich die Energie der gesprochenen Worte verändert, wo gesprochen wird ohne ein einziges Wort und es einfach fließt.

Wo sich Augen begegnen die sich alles und nichts sagen.

Er ist heilig für mich, dieser kleine Moment, wo spürbar wird, auf welche Weise sich die Seele, das Herz eines Menschen jetzt in diesem Sosein gerade öffnet für die gemeinsame Reise in der Einheit, die ich gebe.

Wenn ich einen Baum umarme und in diesem kurzen Moment diesen Switch der Verbindung zu Mutter Erde in mir aufkommen spüre, der so viel mehr ermöglicht. Dieser kleine Moment, wenn eine liebevoll zubereitete, nahrhafte Speise sich mit dem ersten Bissen auf meiner Zunge ausbreitet und ich den intensiven Geschmack in mir aufnehme.

Es offenbart sich in uns in allem was uns ausmacht, wenn wir es zulassen. Der Raum dazwischen, zwischen dir und mir in unserem SEIN, zwischen dem was IST und der alles möglich macht was daraus entsteht. Wo sich Masken und Schutzpanzer auflösen und wir in unserer ganzen Verletzlichkeit unser wunderbares, innewohnendes Wesen offenbaren.

Er ist es, der mich das Leben spüren lässt, in seiner wundervollsten Weise.

In jeder Zelle. Er öffnet das Tor.

Dies ist eine Kooperation mit dem Verein faireint mit Herz, ZVR-Zahl 1616366738

Vertrauen Angst ist nicht Vertrauen.

Anmerkungen des Autors:
Hallo, da bin ich wieder. Es ist ein kurzes, zaghaftes Hallo. Eines inmitten von turbulenten Zeiten, die ich erlebe. Das Jahr 2018 verlangt von mir Aufmerksamkeit und Einsatz auf vielen verschiedenen Ebenen. Natürlich hab ich es mir im Endeffekt so ausgesucht, auch wenn einige unerwartete Ereignisse ebenso passiert sind.
Auch im noch verbleibenden Jahresabschnitt werde ich mich hier wieder rarmachen. Meine Hoffnung und Absicht aus momentaner Sicht ist es, im Jahr 2019 wieder mehr mit euch zu teilen.

Verfasst wurde dieser Text von Juli bis September 2018.
Finale Überarbeitung im Oktober 2018.

Eigentlich wollte ich einen Text schreiben über das Vertrauensverhältnis gegenüber meinen Mitmenschen. Über das Gefühl, Misstrauen zu haben gegenüber wertvollen Wegbegleiter*innen, weil sie sich plötzlich anders verhalten. Über das Gefühl, verwundbar zu sein. Über die Wahrnehmung, etwas Falsches getan zu haben und sich trotzdem quasi obendrein falsch behandelt worden zu fühlen.

Was ist eigentlich falsch? Denk nicht darüber nach, gib einfach alles von deiner mitfühlenden und empathischen Seite.

Wie oft war ich schon in dieser Situation. Habe mich in irgendeine Misere geritten und mache jetzt gute Miene zum bösen Spiel, quasi als Schadensbegrenzung.

Warum nicht aufs Ganze gehen?
Angst, das Gesicht zu verlieren.

Angst vor Ausgrenzung. Allein gelassen zu werden.
Angst vor Konfrontation, Konflikte mit Anderen.
Angst, nicht „angemessen“ oder „richtig“ zu reagieren.
Etwas „falsches“ zu sagen, nicht schlagfertig zu sein.
Angst, zu scheitern.

Angst, Angst, Angst.
Was ist eigentlich falsch? Was ist schon richtig?

Hoffnungslos. Im Sinne von machtlos, kann die Situation nicht beeinflussen.

Verantwortlich. Egal wie, ich mache es falsch. Die Last (Verantwortung) auf mich nehmen.

Was ist eigentlich falsch?

Angst, Angst, Angst.
Angst ist nicht Vertrauen.

Vielleicht sollte ich öfter meditieren.
Neulich hatten wir in unserer Meditationsgruppe (Wake Up Wien) Besuch von einem bekannten Mönch und einer ebensolchen Nonne aus einem der größten Klöster Europas. Bei seinem Talk hat der besagte Mönch unter anderem über liebevolles Sprechen und Zuhören geredet. Von Menschen, die in jeder Situation tiefes Mitgefühl und Verständnis gegenüber ihren Mitmenschen aufbringen. In jeder Situation. Und wenn sie noch so ungerecht ist. Wie machen die das? Oder wie hat Jesus Christus das gemacht?

Sie lieben und vertrauen sich selbst. Indem sie jeden Tag liebevolle Güte praktizieren. Zu sich selbst und zu anderen.

 

Angst ist nicht Vertrauen.

Aus Vertrauen kann viel Positives entstehen.
Aus Angst kann auch viel entstehen. Aber halt nicht viel Schönes. Das sehen wir ja eh jeden Tag in der Begegnung mit Menschen, beim Konsum von Medien und dem Zuhören diverser Politiker*innen, auf der Straße, auch im engeren Umfeld, usw. usf.

Angst vor Verlust.
Angst vor Kontrollverlust.

Angst zu verlieren.
Angst, das Gesicht zu verlieren.
Angst, sich selbst zu verlieren.

Angst vor Mangel an Liebe.
Angst vor Nähe.
Angst vor dem Zulassen von Liebe.

Geht’s hier eigentlich um Vertrauen oder um Angst?

Aus Vertrauen kann viel Positives entstehen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn wir einen Mangel an (Selbst-)Vertrauen haben, befinden wir uns in einem Hamsterrad. Da stecken wir mit einem bestimmten Thema bildlich gesprochen in einem Zyklus, in einem Kreislauf, fest. Herbeigeführt kann das durch einen abgespeicherten Glaubenssatz, eine Affirmation, sein.
Ein Beispiel von mir wäre das Phänomen des „Geprüft werden“. Jemand aus meinem näheren Umfeld hatte bei mir das Muster beobachtet, dass ich immer von einer Lebens-Prüfung zur nächsten taumelte. Ohne Pause. Am Tag, als ich diese Zeilen schreibe, hab ich das meiner Nachbarin erzählt. Und sie hat mir etwas Wichtiges aufgezeigt: „ Das [Geprüft werden] passiert dir deswegen, weil du dich ständig selber prüfen willst. Weil du dir selber nicht vertraust. So wie du mit dir selber umgehst, so passiert es auch im Außen.“

Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen.
Ich nehme mich an und liebe mich, mit all meinen Licht- und Schattenseiten.

Löschen, löschen, löschen.
Alles, was mich daran hindert, die Kette zu unterbrechen.

Empfangen, empfangen, empfangen.
Alles, was mich unterstützt, mir selbst zu vertrauen und in die eigene volle Kraft kommen.

Schlussendlich bin ich dann bei dem Punkt angelangt, dass Vertrauen eine große Ressourcenquelle für mich ist.
Vertrauen, dass immer „das Richtige“ in meinem Leben passiert. Vertrauen, dass alles gut ist. Vertrauen, dass alles im Fluss und nichts voneinander getrennt ist. Vertrauen in mich selbst, meine Kraft, mein Potential und meine Fähigkeiten.
Vielleicht sollte ich öfter meditieren. Vielleicht sollte ich öfter über Vertrauen meditieren.

Müßiggang und rechte Anstrengung

müßig – keiner [sinnvollen] Beschäftigung nachgehend; [auf gelangweilte Weise] untätig
(Duden)

Dieses altmodisch und gehoben anmutende Wort verschwindet zusehends aus unserem Sprachgebrauch. Aber es ist nicht einfach nur ein Wort, es ist eine ganze Kultur, die vom Aussterben bedroht zu sein scheint – ich nenne sie die Kultur des Müßigganges. Die Kultur des Innehaltens, des Stehenbleibens, des Nichtstuns, des Stoppens von Uhren. Hat alles in unserer hektischen und schnelllebigen Gesellschaft keinen Platz. Selbst in der Definition von Duden lese ich eine negativ behaftete Verwendung dieses Wortes heraus. Einer Person, die untätig ist, muss also langweilig sein. Nichtstun ist also keine sinnvolle Beschäftigung.

Bitte versteh mich nicht falsch, ich möchte nicht dazu aufrufen, ab jetzt nur noch faul und träge zu sein (wobei, ein bisschen finde ich okay ;)).
Aber wie wäre es denn damit, wenn du dir auch Momente gönnst, wo du jeden möglichen Stress und Anspannung fallen lässt und einfach nur mal chillst. Beobachte dabei mal deinen Atem. Spüre, wie dein Brustkorb sich hebt und wieder senkt. Macht sich nun Ruhe und Gelassenheit bei dir breit?

Dolce Vita – luxuriöses Leben, das aus Müßiggang und Vergnügungen besteht
(Duden)

Zur Kultur des Müßigganges gehört für mich auch dazu, in einem gewissen Rahmen einfach nur die Dinge zu tun, die ich auch wirklich machen will. Hierzu möchte ich eine weitere in Vergessenheit geratene Wortschöpfung ausgraben: Dolce Vita.
Dabei kommen mir sofort ganz bestimmte Bilder in den Kopf: Reiche Menschen, die in ihrer Villen und Yachten in Saus und Braus leben und ihre Zeit und Geld nur für ihre teuren, teilweise moralisch fragwürdigen Hobbys ausgeben.

In der Mittelschicht des Nord- und Mitteleuropa, wo sich viele von uns dazu zählen dürfen, geht es uns aber auch nicht so schlecht, würde ich mal behaupten. Wir können uns zwar vielleicht nicht alles leisten und manche sagen, das wird in den kommenden Jahren/Jahrzehnten noch drastischer werden. Aber wenn ich bei Zusammenkünften von Familien und Freund*innen wie etwa Weihnachten oder Geburtstage sehe, was wir dabei alles konsumieren und dann noch ab und zu fortgehen oder etwas unternehmen können…
Ich weiß, dass es mehr als genug Menschen gibt, die sich das alles nicht leisten können und vielleicht nicht einmal ein warmes Zuhause haben. Jedenfalls bin ich sehr dankbar für jede Mahlzeit, jeden Urlaub und alles, was ich mir leisten kann. Umso wichtiger ist es für mich, bei Konsum achtsam zu sein und bin mir bewusst, dass ich hier selber noch einiges lernen darf.

Was mich auf diesem Weg unterstützt:

Seit 2012 praktiziere ich in verschiedenen Meditationsgruppen für junge Erwachsene, was sich bestimmt maßgeblich in einigen meiner Charakterzüge niederschlägt. Ich bin sicherlich ruhiger, gelassener und gleichzeitig auch zugänglicher geworden. Ohne Meditation hätte ich weniger Lebensfreude und nebenbei auch einen kleineren Freundeskreis. Nicht, dass es mir jetzt darum geht, viele Freund*innen zu haben, aber es erfüllt mich mit Freude, auf diesem Weg viele neue, wundervolle Menschen kennenzulernen.

Klar ist natürlich auch, dass ich dabei immer wieder auf Herausforderungen stoße. Manche davon sind vielleicht etwas heimtückischer und kommen immer wieder zum Vorschein. Bei mir sind das Fragen wie „Wie kann ich diese Praxis in meinem Alltag umsetzen?“ oder „Wie erreiche ich einen Zustand von absoluten Frieden in mir?“

Ich halte Achtsamkeit im Alltag für wichtig, weil es nun einmal nicht genügt, im stillen Kammerl nach Erleuchtung zu streben. Unser Leben findet nun einmal großteils „da draußen“ statt – ein Umstand, der mir zwar nicht immer leicht fällt, anzunehmen (und dir?). Aber ich nehme es zumindest zur Kenntnis und versuche, in jedem Moment, in jeder Interaktion präsent zu sein. Gefühlte 9 von 10 Mal scheitere ich dabei, auch wenn dieser subjektive Eindruck etwas streng anmutet. Aber er hilft mir dabei, meine Achtsamkeit zu verbessern und erinnert mich daran, liebevoll mit anderen und vor allem mit mir selbst zu sein. Auf diese Art und Weise komme ich vielleicht auch dem Zustand von absoluten Frieden in mir selbst etwas näher.

Ich kann mich glücklich schätzen, einen ausgeprägten Sinn für Gefühle oder anderen nicht greifbaren Zuständen zu haben, andererseits bin ich auch ein irrsinniger Kopfmensch. Das ruft immer wieder innere Konflikte in mir hervor, besonders in Meditationseinheiten. Wenn mir dann andere Meditierende berichten, sie hätten Friede und Verbundenheit in sich und dem ganzen Raum wahrgenommen, merke ich, dass ich mit mir selbst oftmals kritisch umgehe, wenn ich solche Zustände nicht erlebt hatte. Ich müsste mich eben mehr anstrengen, sage ich dann zu mir selbst. Hier liegt aber das eigentliche Problem: Je mehr du dich an sogenannten „Schwierigkeiten“ anhaftest, umso größer erscheinen sie dir.

Es gibt im Buddhismus so etwas wie „Rechte Anstrengung“ oder „Rechtes Bemühen“. In den verschiedenen Traditionen gibt es hierzu unterschiedliche Auslegungen, die zum Teil auch kontrovers diskutiert werden. Es gibt da zum Beispiel das Klischee des Zen-Buddhismus, wo alle stunden- oder tagelang sitzend gegen die Wand starren (welches zutreffen kann, aber keinesfalls muss). Eine, für uns Menschen im Westen zugänglicher erscheinende Auslegung, ist die des Mittleren Weges. Dabei geht es darum, auf Vergnügungen und Ablenkungen im eigenen Ermessen zu verzichten (dein inneres Bewusstsein weiß eh genau, was dir guttut und was nicht), ohne dabei es mit Einschränkungen im Alltag zugunsten der buddhistischen Praxis auf die Spitze zu treiben.

Hier hätten wir also eine mögliche Umgangsweise zu den oben beschriebenen Lebensformen in Bezug auf Konsum. Zu dieser Thematik passt auch folgendes Sutta, ein buddhistischer Text, über Buddhas Schüler Sona, der ein meditativ abgeschiedenes und bescheidenes Leben führte und auch er hatte Probleme, ein gesundes Mittelmaß zwischen Anstrengung und Trägheit zu finden. Als sein Lehrer davon erfuhr, antwortete er darauf mit einem Gleichnis:

…Sag, Sona, du hattest dich doch wohl früher, als du noch im Hause lebtest, auf den Saitenklang im Lautenspiel verstanden?
Ja, o Herr.
Sag, Sona, wenn die Saiten deiner Laute zu straff gespannt waren, gab dann wohl deine Laute einen vollen Klang und war sie zu gebrauchen?
Nein, o Herr.
Wenn nun aber die Saiten deiner Laute zu lose gespannt waren, gab dann wohl deine Laute einen vollen Klang und war sie zu gebrauchen?
Nein, o Herr.
Wenn nun aber, Sona, die Saiten deiner Laute weder zu straff noch zu lose gespannt, sondern auf mittlere Tonhöhe abgestimmt waren, gab dann wohl deine Laute einen vollen Klang und war sie zu gebrauchen?
Ja, o Herr.
Ebenso auch, Sona, führt allzu straffe Anspannung der Willenskraft zur Aufregung, allzu schlaffe Anspannung aber zur Trägheit. Darum, Sona, halte dich an ein Ebenmaß deiner Willenskraft, erwirb dir ein Ebenmaß deiner Fähigkeiten und strebe dann nach dem Ziel…

(Sona-Sutta, Pali-Kanon AN 6.55)

© Ressourcen und Inspirationen:
mindful survivor
Blog „Säkularer Buddhismus“
Duden

Annehmen, so wie ich bin

„solange du es nicht lustig findest, kannst du doch auch nicht glücklich sein“

Diese Bemerkung hat einmal eine gute Freundin in einer Textnachricht von sich gegeben und ich hatte den Impuls, sie mir zu notieren. Der Kontext ist dabei zweitrangig. Wenn ich diesen Satz lese, kann ich eine vielseitige Bedeutung für mein Leben dahinter erkennen. All meine Eigen- und Besonderheiten mit Humor zu sehen und mit einem Lächeln anzunehmen. Nicht, dass ich noch nie Selbstironie geäußert hätte. Teilweise gelingt mir das eh ganz gut. Aber eben nicht immer.

Wie oft habe ich mir schon gewünscht, jemand anders zu sein. Am besten ein gutaussehender 08/15-Typ, der alles bekommt, was er glaubt zu brauchen – Alkohol, Drogen, Partys, Frauen (aus meiner Perspektive), Sex, viele Freunde, Geld, einen tollen Körper, einen geilen Job, ein stets befriedigtes Ego…alles auf einmal und so betäubt von all diesen Dingen, dass er weit genug von sich selbst entfernt ist, dass er sein Leiden gar nicht mitbekommt.

Der heutzutage vorherrschende Idealismus ist nun mal ein hartes Business. Besonders für jene, die nicht in das von Gesellschaft/Medien vorgegebene Raster fallen, also aufgrund ihres Aussehens oder bestimmter Eigenschaften („Der/Die is ned ganz dicht in der Marille“) nicht „cool“ genug sind. Dabei ist das alles nur eine glatte Lüge, eine Fassade. Um es in den Worten meines Coach Robert Kraxner zu sagen: Wir bescheißen uns selbst.

Zum oben erwähnten Begriff Idealismus steht im Duden folgendes: „[mit Selbstaufopferung verbundenes] Streben nach Verwirklichung von Idealen; durch Ideale bestimmte Weltanschauung, Lebensführung“ …das finde ich äußerst interessant. Das Streben nach Verwirklichung von Idealen ist also mit Selbstaufopferung verbunden. Kommt dir das vielleicht bekannt vor? Geben wir nicht einen Teil unserer Identität – im Sinne unseres Echtseins, unseres Authentisch-seins 😉 – auf, nur um anderen zu gefallen? Ist das nicht ein fauler Kompromiss?

Hand aufs Herz: Keiner von uns ist makellos. Und die Wenigsten von uns sind mit sich selbst so im Reinen, dass sie ihre „hässliche“ Seite jeden Tag mit einem Lächeln begegnen können. Warum fällt es vielen von uns so schwer, das auch zu kommunizieren? Vor allen anderen zu stehen und es zu sagen, wenn man an einem schlechten Tag unglücklich ist mit dem eigenen Aussehen, Verhalten, Selbstwertgefühl?

Natürlich gibt es auch Menschen, die aus tiefstem Herzen zufrieden mit sich selbst sind und auch jene, die sich immer wieder mal wie ein Häufchen Elend fühlen und das auch gerne mitteilen. Egal in welcher Situation, es ist immer von Vorteil, ein Gespür dafür zu haben, wann, wie und was man von sich äußert. Das kenne ich aus eigener Erfahrung sehr gut.

Hast du schon mal bei dieser Wertschätzungsübung mitgemacht, wo man anderen Personen auf einem Zettel schreibt, welche Eigenschaften man an ihr/ihm schätzt? Ich hab das schon mehrmals in unterschiedlichen Kontexten erlebt und dabei schon einige Male zu Lesen bekommen, dass ich ein positiver, selbstbewusster Mensch bin. Auch in anderen Situationen wurde dies mir gegenüber zum Ausdruck gebracht. Dabei fühle ich mich oft nach allem, nur nicht SO!!

Schon komisch, wie stark sich die Wahrnehmungen über die eigene Person unterscheiden können. Meistens urteilen die Anderen viel wohlwollender als jemand über sich selbst. Doch warum ist das so? Wieso fällt es uns leichter, andere Menschen positiv zu betrachten als uns selbst?

Da wären wir wieder einmal beim Thema Selbstliebe. Vielleicht sollten wir mal damit anfangen, zuallererst zu uns selbst wohlwollend zu sein? Das kann so viel bewirken. Die Art und Weise, wie wir dann anderen Menschen gegenübertreten, ist Tausend zu Eins. Natürlich ist das eine Lektion, an die wir uns immer wieder neu erinnern dürfen. Das gehört nun mal zum Leben dazu. Einfach und schön, oder wie findest du das? :)

Danke an Johanna für die Inspiration zu diesem Text.

Über Alleinsein und Einsamkeit

Liebe Leserin,
Lieber Leser,

dieser Text hat die bisher längste Bearbeitungszeit beansprucht, nämlich circa 5 Monate. Natürlich nicht durchgehend, sondern mit vielen Pausen, insbesondere aufgrund meines 2017er-Sommerlochs, das ich im Artikel noch einmal erwähnen werde. Dennoch finde ich, dass er sehr rund geworden ist, einen roten Faden hat und auch deswegen bin ich sehr zufrieden mit dem Resultat. Schreib mir gerne einen Kommentar, wie du meinen Text findest und insbesondere würden mich deine Gedanken, Erfahrungen und Gefühle zu diesem Thema interessieren.
Mathias

2016 habe ich bei meinem Coach Robert Kraxner einen Prozess zur Findung und Kultivierung meiner eigenen Stärken bzw. zur Entdeckung der persönlichen Berufung/en begonnen. (Dank dieses Prozesses habe ich übrigens auch zum Schreiben wiedergefunden.) Einmal hat er mir dabei aufgezeigt, zwischen Alleinsein und Einsamkeit zu unterscheiden. Während sich Alleinsein sich auf den physischen Zustand beschränkt, hängt Einsamkeit nicht davon ab, ob man von anderen Menschen umgeben ist. Vielleicht kennst du ja das Gefühl, in einem Raum voller Menschen zu stehen und sich trotzdem „allein“ zu fühlen – das nennt man dann wohl Einsamkeit.

Im Frühjahr 2017 setzte ich mich mit starken Einsamkeitsgefühlen auseinander. Wobei mir solche Gefühle grundsätzlich nicht neu sind. Ich weiß meine Familie, die immer hinter mir steht, sehr zu schätzen. Auch Freund*innen haben mir schon durch die eine oder andere dunkle Stunde geholfen. Dennoch war mir immer schon bewusst, dass man die Hürden, die im Leben immer wieder mal auftauchen, nur selber überwinden kann. Manchmal versuche ich diese Hürden zu umgehen, auf gut Wienerisch, mich durchzuwurschteln. Manchmal steh ich einfach nur da und schau deppert (auch Wienerisch). Doch meistens versuche ich die Hürde zu erklimmen und steige dabei so hoch hinauf, wie ich kann. Da kann es aber auch passieren, dass ich wieder weit hinunter falle. Die Landung dabei tut bekanntlich weh. Und die Schmerzen, die ich dabei forttrage, kuriere ich meistens so lange alleine aus, bis ich es nicht mehr aushalte und mich jemandem öffne.

Jedenfalls litt ich unter Einsamkeit, die lange Zeit unter der Oberfläche verborgen war. Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Am Schlimmsten war es, wenn ich von unterwegs in meine stille Wohnung heimkam. Das kennst du vielleicht auch, in der Gesellschaft ist es oft schön und lustig, aber wehe du bist einmal alleine, da könntest du dich ja mit deinen Gefühlen auseinandersetzen. Huch! O:

Viele Menschen lenken sich, wenn sie z.B. alleine unterwegs sind, mit Internet, Musik etc. ab. Ich halte meine Internetaktivität grundsätzlich beschränkt. Nämlich nur zu bestimmten Tageszeiten oder als bewusst gewählten Lückenfüller. Ich glaube, dadurch nehme ich meine Gefühle auch öfter bzw. deutlicher wahr. (Auch wenn ich mich gerne durch Gedanken jeglicher Art ablenken lasse.)

Für mich ist es offensichtlich, dass ich aufgrund meines Handicaps und meiner Lebenseinstellung in gewisser Weise nicht Teil der breiten Masse bin. Ich sehe mich als jemanden, der seine eigenen Wege geht. Wie schon in diesem Artikel beschrieben, fehlt es mir aber dabei zu oft an Selbstvertrauen, das auch kompromisslos durchzuziehen und das macht dieses Unterfangen zu einer manchmal sehr schmerzvollen Angelegenheit. Es macht mich teilweise zurückhaltend und verschlossen, dagegen nur in selbstdeklarierten sicheren Rahmen zugänglich. Der Prozess, mich anderen mehr zu öffnen, begleitet mich auch speziell hier seit der Anfangszeit meines Blogs, weshalb ich zuversichtlich bin, dass meine Texte mit der Zeit noch authentischer werden. 😉

Und wie ging’s weiter? Konnte ich meine intensive Einsamkeit überwinden?

Es folgte die Neuland-Phase. In dieser Zeit war ich viel unterwegs und es wurde mir deutlich wie noch nie aufgezeigt, dass Einsamkeit nicht nur in den eigenen vier Wänden existiert. Wenn du abends alleine im Hotelzimmer sitzt und du das Gefühl bekommst, dass dir gleich die Decke auf den Schädel fällt, dann wird dir schon ein bisschen anders. Es war ein bisschen ein Ohnmachtsgefühl. So auf die Art „Und was jetzt?“. Warum wissen wir so wenig mit uns selber anzufangen? Wieso halten wir es alleine, ohne Ablenkungen wohlgemerkt, so schlecht aus? In der heutigen sensationsgierigen Gesellschaft haben wir wohl verlernt, Momente der Stille und Gefühle der Einsamkeit überhaupt zuzulassen.

In dieser Neuland-Phase, sowie in der darauffolgenden Sommerloch-Phase, habe ich auch intensiv wie noch nie die Liebe im Außen gesucht. Ich bin mir meiner Eigenverantwortung in Bezug auf Selbstliebe durchaus bewusst, auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dabei wieder einmal bei null anzufangen. Aber es muss ja nicht grundsätzlich ein Fehler sein, mein Herz gleichzeitig auch für andere Menschen zu öffnen. Dennoch frage ich mich manchmal, ob das nicht ein Widerspruch ist. Diese Ansicht bestärkt sich besonders bei jeder Enttäuschung, die ich bisher auf dieser Ebene hinnehmen musste.

Aber bei jeder Enttäuschung (und das muss nicht unbedingt mit Liebe zu tun haben) lernt man nicht nur seine Mitmenschen, sondern auch sich selbst besser kennen und dass man der eigenen Linie immer treu sein sollte. Nicht darauf versteifen, aber sich auch nicht verbiegen lassen.

Anhaftung an Hoffnungen ist für mich genauso wenig hilfreich wie Gleichgültigkeit oder Resignation, um aus der Situation der Einsamkeit wieder herauszukommen. Ich habe gelernt, dass jegliche Verlockung von Außen kein Heilsbringer für Einsamkeit ist, sei es eine andere Person oder materielle Dinge. Auch das Warten, dass etwas Wundersames passiert, verringert nicht das Leiden – im Gegenteil, es intensiviert es so sogar.

Mittlerweile kann ich die Momente der Stille in meiner Wohnung wieder genießen. Auch wenn ich nach gewisser Zeit dann gerne die Musik aufdrehe. Aber auch das darf sein.
Und es wird wieder Tage geben, wo ich mich einsam fühle und die Sehnsucht aufkommen wird, verstanden und geliebt zu werden. Ich versuche einfach, mein Herz offen zu halten und die Gegenwart anzunehmen, egal wo ich gerade bin.

Es gibt kein ultimatives Heilrezept gegen Einsamkeit. Aber es ist sicher nicht verkehrt, sie einfach anzunehmen, ihre Wurzeln und Hintergründe zu betrachten und zu erkennen, dass alles wieder vorüber geht.

Alles hat ein Ende, nur die Wurscht hat zwei.
(Das gilt übrigens auch für vegane Würschteln. :P)