Über Alleinsein und Einsamkeit

Liebe Leserin,
Lieber Leser,

dieser Text hat die bisher längste Bearbeitungszeit beansprucht, nämlich circa 5 Monate. Natürlich nicht durchgehend, sondern mit vielen Pausen, insbesondere aufgrund meines 2017er-Sommerlochs, das ich im Artikel noch einmal erwähnen werde. Dennoch finde ich, dass er sehr rund geworden ist, einen roten Faden hat und auch deswegen bin ich sehr zufrieden mit dem Resultat. Schreib mir gerne einen Kommentar, wie du meinen Text findest und insbesondere würden mich deine Gedanken, Erfahrungen und Gefühle zu diesem Thema interessieren.
Mathias

2016 habe ich bei meinem Coach Robert Kraxner einen Prozess zur Findung und Kultivierung meiner eigenen Stärken bzw. zur Entdeckung der persönlichen Berufung/en begonnen. (Dank dieses Prozesses habe ich übrigens auch zum Schreiben wiedergefunden.) Einmal hat er mir dabei aufgezeigt, zwischen Alleinsein und Einsamkeit zu unterscheiden. Während sich Alleinsein sich auf den physischen Zustand beschränkt, hängt Einsamkeit nicht davon ab, ob man von anderen Menschen umgeben ist. Vielleicht kennst du ja das Gefühl, in einem Raum voller Menschen zu stehen und sich trotzdem „allein“ zu fühlen – das nennt man dann wohl Einsamkeit.

Im Frühjahr 2017 setzte ich mich mit starken Einsamkeitsgefühlen auseinander. Wobei mir solche Gefühle grundsätzlich nicht neu sind. Ich weiß meine Familie, die immer hinter mir steht, sehr zu schätzen. Auch Freund*innen haben mir schon durch die eine oder andere dunkle Stunde geholfen. Dennoch war mir immer schon bewusst, dass man die Hürden, die im Leben immer wieder mal auftauchen, nur selber überwinden kann. Manchmal versuche ich diese Hürden zu umgehen, auf gut Wienerisch, mich durchzuwurschteln. Manchmal steh ich einfach nur da und schau deppert (auch Wienerisch). Doch meistens versuche ich die Hürde zu erklimmen und steige dabei so hoch hinauf, wie ich kann. Da kann es aber auch passieren, dass ich wieder weit hinunter falle. Die Landung dabei tut bekanntlich weh. Und die Schmerzen, die ich dabei forttrage, kuriere ich meistens so lange alleine aus, bis ich es nicht mehr aushalte und mich jemandem öffne.

Jedenfalls litt ich unter Einsamkeit, die lange Zeit unter der Oberfläche verborgen war. Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Am Schlimmsten war es, wenn ich von unterwegs in meine stille Wohnung heimkam. Das kennst du vielleicht auch, in der Gesellschaft ist es oft schön und lustig, aber wehe du bist einmal alleine, da könntest du dich ja mit deinen Gefühlen auseinandersetzen. Huch! O:

Viele Menschen lenken sich, wenn sie z.B. alleine unterwegs sind, mit Internet, Musik etc. ab. Ich halte meine Internetaktivität grundsätzlich beschränkt. Nämlich nur zu bestimmten Tageszeiten oder als bewusst gewählten Lückenfüller. Ich glaube, dadurch nehme ich meine Gefühle auch öfter bzw. deutlicher wahr. (Auch wenn ich mich gerne durch Gedanken jeglicher Art ablenken lasse.)

Für mich ist es offensichtlich, dass ich aufgrund meines Handicaps und meiner Lebenseinstellung in gewisser Weise nicht Teil der breiten Masse bin. Ich sehe mich als jemanden, der seine eigenen Wege geht. Wie schon in diesem Artikel beschrieben, fehlt es mir aber dabei zu oft an Selbstvertrauen, das auch kompromisslos durchzuziehen und das macht dieses Unterfangen zu einer manchmal sehr schmerzvollen Angelegenheit. Es macht mich teilweise zurückhaltend und verschlossen, dagegen nur in selbstdeklarierten sicheren Rahmen zugänglich. Der Prozess, mich anderen mehr zu öffnen, begleitet mich auch speziell hier seit der Anfangszeit meines Blogs, weshalb ich zuversichtlich bin, dass meine Texte mit der Zeit noch authentischer werden. 😉

Und wie ging’s weiter? Konnte ich meine intensive Einsamkeit überwinden?

Es folgte die Neuland-Phase. In dieser Zeit war ich viel unterwegs und es wurde mir deutlich wie noch nie aufgezeigt, dass Einsamkeit nicht nur in den eigenen vier Wänden existiert. Wenn du abends alleine im Hotelzimmer sitzt und du das Gefühl bekommst, dass dir gleich die Decke auf den Schädel fällt, dann wird dir schon ein bisschen anders. Es war ein bisschen ein Ohnmachtsgefühl. So auf die Art „Und was jetzt?“. Warum wissen wir so wenig mit uns selber anzufangen? Wieso halten wir es alleine, ohne Ablenkungen wohlgemerkt, so schlecht aus? In der heutigen sensationsgierigen Gesellschaft haben wir wohl verlernt, Momente der Stille und Gefühle der Einsamkeit überhaupt zuzulassen.

In dieser Neuland-Phase, sowie in der darauffolgenden Sommerloch-Phase, habe ich auch intensiv wie noch nie die Liebe im Außen gesucht. Ich bin mir meiner Eigenverantwortung in Bezug auf Selbstliebe durchaus bewusst, auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dabei wieder einmal bei null anzufangen. Aber es muss ja nicht grundsätzlich ein Fehler sein, mein Herz gleichzeitig auch für andere Menschen zu öffnen. Dennoch frage ich mich manchmal, ob das nicht ein Widerspruch ist. Diese Ansicht bestärkt sich besonders bei jeder Enttäuschung, die ich bisher auf dieser Ebene hinnehmen musste.

Aber bei jeder Enttäuschung (und das muss nicht unbedingt mit Liebe zu tun haben) lernt man nicht nur seine Mitmenschen, sondern auch sich selbst besser kennen und dass man der eigenen Linie immer treu sein sollte. Nicht darauf versteifen, aber sich auch nicht verbiegen lassen.

Anhaftung an Hoffnungen ist für mich genauso wenig hilfreich wie Gleichgültigkeit oder Resignation, um aus der Situation der Einsamkeit wieder herauszukommen. Ich habe gelernt, dass jegliche Verlockung von Außen kein Heilsbringer für Einsamkeit ist, sei es eine andere Person oder materielle Dinge. Auch das Warten, dass etwas Wundersames passiert, verringert nicht das Leiden – im Gegenteil, es intensiviert es so sogar.

Mittlerweile kann ich die Momente der Stille in meiner Wohnung wieder genießen. Auch wenn ich nach gewisser Zeit dann gerne die Musik aufdrehe. Aber auch das darf sein.
Und es wird wieder Tage geben, wo ich mich einsam fühle und die Sehnsucht aufkommen wird, verstanden und geliebt zu werden. Ich versuche einfach, mein Herz offen zu halten und die Gegenwart anzunehmen, egal wo ich gerade bin.

Es gibt kein ultimatives Heilrezept gegen Einsamkeit. Aber es ist sicher nicht verkehrt, sie einfach anzunehmen, ihre Wurzeln und Hintergründe zu betrachten und zu erkennen, dass alles wieder vorüber geht.

Alles hat ein Ende, nur die Wurscht hat zwei.
(Das gilt übrigens auch für vegane Würschteln. :P)

Sommerloch

Liebe Leserin,
Lieber Leser,
dies ist ein etwas ungewöhnlicher Blogpost von mir. Es ist der erste seit drei Monaten, nachdem ich im Sommer 2017 nach einigen emotionalen Turbulenzen ausschließlich Texte zur eigenen Verarbeitung geschrieben habe. In diesem Artikel möchte ich Auszüge aus meinen Notizen zu bestimmten Erlebnissen mit dir teilen. Bitte verstehe, dass ich bestimmte Aspekte und Ereignisse nur umschrieben habe, da es sich hierbei zumindest teilweise um zwischenmenschliche Themen handelt. Und bitte sei dir bewusst, dass diese Texte auch Zeugnisse meiner Prozesse und Entwicklungen über den Sommer 2017 hindurch sind und diese sich währenddessen auch mehrfach verändert haben. Sie prägen, so wie jeder Zeitabschnitt, meine Gegenwart, lassen sich jedoch nicht mehr 1:1 ins Jetzt übertragen.

 

Convention in Berlin, Mitte Juli 2017

Mein Wochenendtrip nach Berlin zum Treffen mit Bloggerfreunden* begann mit einem AUA-Flug mit Aussicht über meine Heimatstadt. Dabei kamen Zustände des Verwurzelt-seins und Emotionen der Demut und Dankbarkeit in mir hoch. Das ist meine Heimatstadt. Hier bin ich geboren. Hier lebe ich. Alles fühlt sich vertraut und geborgen an. Es breitet sich ein Gefühl von Sicherheit und achtsamer Beständigkeit in mir aus. Zwei Aspekte, die mir momentan sehr wichtig sind. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die genau das ausstrahlen. Und nicht zuletzt möchte ich diese Eigenschaften in mir selbst kultivieren.

Obwohl die Maschine mit Verspätung startete, kam ich dank rekordverdächtiger Flugzeit überpünktlich in Berlin-Tegel an. Vom Flughafen ging’s dann direkt ins gemeinsame Hostel und danach zum Lokal, wo wir alle erstmals zusammenkamen.

Für das gemeinsame Arbeiten am Samstag haben wir eine Seminar-Location in einer abgeschieden wirkenden Gegend mitten in Neukölln organisiert. Die hier vorherrschende Stille kombiniert mit meiner aktuellen Gefühlslage, die in mir ein Bedürfnis nach Zurückziehung und Sammlung auslösten, ließen diesen Workshop für mich persönlich teilweise wie ein Mini-Retreat wirken. Ich hatte bevor ich hierher kam die Befürchtung, dass ich in Bezug auf meine Blogentwicklung nicht auf demselben Level und in anderen Ebenen unterwegs bin wie meine Bloggerkollegen*. Dies traf insofern auch ein, dass ich bemerkte, dass ich das auch unbewusst ausstrahle. Meinem Coach Robert Kraxner, sozusagen Host dieser Convention, fiel auch sofort auf, dass etwas mit mir anders ist als sonst. Es war für mich sehr schön zu spüren, dass mir von ihm und auch allen anderen der Raum gegeben wurde, meine Bedürfnisse im Sinne meiner Eigenverantwortung mitzuteilen und danach zu handeln.

Heimwärts ging es dann am Sonntag nach einem letzten gemeinsamen Brunch – für mich gab’s den Premierenflug mit der Ryanair von Berlin-Schönefeld nach Bratislava und dann mit dem Bus nach Wien. Erschöpft, aber zufrieden kam ich dann abends zuhause an.

 

Sommerloch, Ende Juli – Mitte August 2017

Ich spiele dieses Spiel nicht mehr mit. Ich habe genug davon, mich selbst zu verleugnen. Kein Selbstbetrug, keine Kompromisse. Meine Gefühle sind echt und ich darf sie anderen mitteilen, ohne dabei jemanden zu verletzen, aber auch ohne mich dabei zu verletzen, indem ich mich verbiege. Das ist es mir nicht mehr wert. Nur um meine Mitmenschen zufriedenzustellen, damit kein Konflikt entsteht oder sie gar aus meinem Leben zu verlieren – nein, es gibt etwas Wichtigeres als die Liebe und Zuneigung von außen, nämlich die Liebe zu sich selbst. Der eigenen Linie treu bleiben – nicht darauf versteifen und immer wieder neu ausrichten, aber sie niemals verlassen.

Das ist ein Prozess und der ist natürlich nicht einfach, es tut sehr weh. Es geht darum, alte Denkmuster und Schmerzen zu erkennen und loszulassen.

Halt!

Dazu habe ich noch etwas erkannt…diese Denkmuster und Schmerzen entstehen durch Projektionen, diese wiederum durch Erlebnisse und Erfahrungen, die bis in die früheste Kindheit zurückreichen können. Solche Projektionen können sehr leicht und unbewusst auf andere Menschen übertragen werden. Ich schreibe dies nur deswegen, weil es eine Erfahrung ist, die ich selbst gemacht habe. Ich habe eine für mich wertvolle Person damit verletzt. Daraus durfte ich lernen, mein Bewusstsein mehr dahingehend auszurichten, meine Projektionen zu erkennen, mehr Sensibilität zu kultivieren und meine Gefühle in einer solchen Art und Weise auszudrücken, dass ich komplett zu mir selbst stehen kann und gleichzeitig auf die Gefühle anderer Acht gebe.

 

Rückzug, Ende August 2017

In der ersten meiner beiden Urlaubswochen hatte ich gemeinsam mit einem langjährigen Freund eine Reise nach Hamburg gebucht. Wir waren auch schon am Flughafen beim Boarding, als es plötzlich hieß, die Maschine sei kaputt. Nach einem mehrstündigen Aufenthalt auf den Gates hat sich herausgestellt, dass es für uns keinen vertretbaren Alternativflug gab und somit stornierten wir den ganzen Urlaub. Wären wir mit der Bahn gefahren, hätten wir in diesem Fall unser Ziel wohl doch eher erreicht…

Die nächsten Tage habe ich großteils daheim verbracht. Fad wurde mir dennoch nicht und fand auch kaum Zeit zum Schreiben, denn für das alljährlich angesetzte Retreat (Rückzug in ein buddhistisches Zentrum) für junge Menschen in der zweiten Woche gab es aufgrund von überraschend eintretenden Veränderungen viel zu überlegen und kommunizieren. Schließlich haben wir als private und selbstorganisierte Gruppe eine wunderschöne gemeinsame Woche erlebt – zumindest das hat sich im Vergleich zu den Jahren davor nicht geändert. Dabei konnte ich mich auch mit den Gefühlen und Erfahrungen, die ich in den Wochen zuvor erlebt hatte, nochmal auseinandersetzen.

Der Sommer ist zwar nun vorbei, aber manche Löcher lassen sich nur mühsam stopfen…

 

Der Wollknäuel, Mitte September 2017

Ich wollte ihn lösen, so wie mein inneres „Chaos“ – das perfekte Spiegelbild.
Es ist eine Geduldsfrage. Manchmal kommt man nicht weiter. Manchmal dreht man sich im Kreis. Manchmal muss man auch loslassen können. Erst wenn man die Dinge akzeptiert, wie sie sind, kommt man zur Lösung.

 

*allesamt männlich, daher nicht gegendert

Liebst du dich selbst?

Betrachtung meines Lebens
(mit einer kleinen Behinderung)

Bevor ich mit diesem Text anfange, möchte ich klarstellen, dass ich mir bewusst und auch sehr dankbar dafür bin, dass ich ein Leben mit hoher Qualität führen darf. Ich bin gesund, habe keine nennenswerten körperlichen Einschränkungen, lebe in einer eigenen Wohnung und finanziell geht es mir auch gut. Während andere, verteilt über den gesamten Globus, täglich ums Überleben kämpfen, verlieren sich hier in Europa viele im Wohlstand. Natürlich trifft jeder von uns im Leben auf Herausforderungen, die Emotionen hervorrufen. Ob man sie näher betrachten will, liegt in unserem eigenen Ermessen. Ich habe mich dazu entschlossen, folgenden Versuch einer Betrachtung meines Lebens mit euch zu teilen:

Ich kann es drehen und wenden, wie ich will, aber schließlich und endlich komme ich nicht darum herum, dass ich eine am Papier stehende und auch offensichtlich erkennbare Behinderung habe. Man kann sie natürlich auch netter ausgedrückt als Handicap, leichte Einschränkung, optisches Merkmal, ästhetische Auffälligkeit usw. usf. bezeichnen. Manchmal vergesse ich sogar, dass etwas an mir „anders“ ist. Schließlich renne ich ja nicht mit einem Spiegel vor meiner Nase herum. Doch meistens werde ich recht schnell in die Realität zurückgeholt, dafür verantwortlich bin wohl in erster Linie ich selber.

Es sind nicht einmal die irritierten Blicke von manchen Menschen, auf die ich vielleicht mal genervt reagiere. Die meisten kriege ich wahrscheinlich nicht mal mit und wenn, sind es größtenteils die von neugierigen Kindern. Nein, es sind diese vielen kleinen Alltagssituationen, wo es um zwischenmenschliche Kommunikation geht. Wenn man Offenheit und Sicherheit ausstrahlen sollte. Das ist es, was mir in manchen Situationen fehlt und wofür ich mich oft kritisiere, wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie ich es gerne gehabt hätte oder ich etwas anders hätte lösen können. Und woher kommt mangelnde Sicherheit mit gleichzeitiger erhöhter Neigung zu Selbstkritik? Oft sind es Glaubenssätze, die meist seit frühester Kindheit immer wieder in uns eingeimpft werden. Infolgedessen mangelt es vielerorts an Selbstvertrauen und Selbstliebe. So auch beim mir.

Wahrscheinlich denke ich zu oft darüber nach, was andere über mich denken. Gehe irgendwelche Kompromisse mit mir selber ein, nur um etwaige Konfrontationen im Außen zu vermeiden. Mache mich manchmal kleiner als ich bin. Weise mir die Außenseiterrolle zu. Bevorzuge das Alleinsein, obwohl es weh tut. Wirke auf andere verschlossen und unzugänglich, aus Angst, dass man mich nicht versteht. Gestehe mir keinen Platz in der Gesellschaft ein. (Wobei: Welche Gesellschaft? Haben wir überhaupt noch eine? Oder sind es sogar mehrere?)

Dann kann es passieren, dass ich entweder mich komplett zurückziehe und mit niemandem etwas zu tun haben will oder ich versuche, mich von einer „besseren“ oder anderen, nicht authentischen Seite zu zeigen. Und ich kann euch sagen, das will ich immer weniger machen, denn das kann einen ganz schön verkrampfen, wenn man eigentlich gar nicht anders kann als authentisch zu sein. Ich denke, das ist etwas, was jeder von uns in sich hat, aber wir haben verlernt, auf unsere innere Stimme zu hören. Wenn alle Menschen mehr auf ihren Bauch und ihr Herz hören und ausschließlich danach handeln würden, wäre unsere Welt mit Sicherheit ein besserer Ort.

Was hilft mir und was hält mich davon ab, ein authentischeres Leben zu führen?

Spiegel

Ein Spiegel hat für mich sowohl im physischen, als auch im metaphorischen Sinne eine kraftvolle Bedeutung.
Hast du schon einmal die Übung ausprobiert, vor einem Spiegel zu dir selbst nette Dinge zu sagen, zum Beispiel, dass du dich liebst? Wenn du das problemlos umsetzen kannst, dann kannst du dir wahrhaftig auf die Schulter klopfen, denn das ist sicherlich für viele Menschen leichter gesagt als getan, mich eingeschlossen. Aber dieser Mensch im Spiegel hat es sich auch verdient, öfter zärtlich behandelt zu werden.

Wenn ich den Spiegel als Metapher verwende, dann begegnet er mir jeden Tag unzählige Male, meistens eher unbewusst. Hast du schon einmal versucht, in jedem Mitmenschen einen Spiegel von dir selbst zu sehen? Was bemerkst du, wenn du in diese Spiegel schaust? Bist du dabei liebevoll? Wie agierst du, angefangen bei dir selbst und in weiterer Folge zu anderen Menschen?

Was ich aus diesen Übungen mitnehme, ist die Erkenntnis, dass ich durch die Begegnung mit anderen Menschen viel über mich selbst reflektieren kann. So wie ich über mich selber denke, so wirke ich auch auf andere. Und da sitzen wir alle im selben Boot, so geht es jeden von uns. Ich möchte dich herzlich einladen, solche Experimente in deinem Alltag mal auszuprobieren.

Dieser Ausschnitt aus einem Film ist einfach der Hammer und trifft den Nagel auf den Punkt:

Selbstvertrauen

(Sicherheitshinweis für Allergiker*innen: Dieser Teilartikel kann Spuren von zynischen bzw. ironischen Untertönen oder sogar Schimpfwörter enthalten.)

Das Vertrauen in sich selbst. In einer Zeit, wo es viele politische und gesellschaftliche Missstände gibt, wird Selbstliebe meiner Ansicht nach oft als Egoismus und arrogante Überheblichkeit missverstanden und in seiner positiven Wirkung unterschätzt. Das liegt nicht zuletzt an unseren „lieben“ Medien, die uns ständig vorgaukeln wollen, dass etwas mit uns nicht in Ordnung ist, was uns in unserem Leben nicht alles fehlt und überhaupt leben wir ja in einer furchtbaren und gefährlichen Welt, wo es geradezu verpönt ist, Sicherheit, Freude, Mitgefühl (ja, für alle Lebewesen!) und eben Selbstliebe zu verbreiten. Und wenn du es tust, dann bist du ein esoterischer Spinner, ein linkslinker Gutmensch oder einfach nur ein eingebildetes Arschloch.

Aber in ereignisreichen Zeiten wie diesen braucht es Menschen, wenn nicht eine ganze Gesellschaft, die an sich glaubt. Wer sich selber vertrauen kann, kann auch anderen vertrauen und mit Turbulenzen im Außen besser umgehen.

Selbstliebe

Die Liebe zu sich selbst. Wie bereits erwähnt, fällt es mir nicht immer leicht, liebevoll zu mir selbst zu sein. Mich anzunehmen, so wie ich bin. Doch die Basis für Liebe finde ich nur in mir selber. Niemand anderer kann sie mir geben! Diese Erkenntnis tut mir manchmal richtig weh, obwohl sie eigentlich eine positive Kernbotschaft hat: Du darfst dich selber lieben!

Ich durfte in meinen jungen Jahren sehr wohl schon ganz kleine Momente von bedingungsloser Selbstliebe erleben. Es ist für mich aber immer noch eine Illusion, zu glauben, dass wir Menschen uns ständig, jederzeit selbst lieben könnten. Sonst würden wir wohl gar nicht existieren. (Für alle, die daran glauben: Wir würden dann wohl im Nirwana oder von mir aus im Himmel schweben.) Leben ist nun einmal Leiden. Leben bedeutet, sich Herausforderungen zu stellen. Aber Leben ist auch Liebe. Und ohne Selbstliebe kann man auch keinen anderen Menschen auf dieser Welt bedingungslos lieben. Man muss und darf einfach bei sich selber anfangen, damit man für die ganze Welt strahlen kann.

Neuland

Liebe Leserin,
lieber Leser,

ich habe bemerkt, dass ich in den letzten Wochen in vielerlei Hinsicht Neuland betreten habe und mir ist aufgefallen, dass ich dieses Wort neuerdings auch in meinem persönlichen Tagebuch mehrmals verwendet habe. Diese Erkenntnis hat mich dazu geführt, einen Text über meine neuesten Erfahrungen mit dir zu teilen.

Da wäre zuallererst mal mein Start als Blogger. Das ist ein potenziertes Neuland für mich, einerseits weil ich mich dabei mit technischen Aspekten auseinandersetzen muss, die mir zum Teil völlig fremd sind, da ich sie noch nie gebraucht habe. Andererseits ist es auch mentales Neuland, da ich erstmals in meinem Leben in einer Regelmäßigkeit zum überwiegenden Teil persönliche Gedanken nicht nur zu Papier bringe, sondern diese auch mit einem breiteren Publikum teile. Auch das ist für den Mathias, der sich manchmal sehr zurückhaltend gibt, eine neue Herausforderung.

Ein großes Thema bei mir in den letzten Wochen war Reisen, zum Teil auch alleine reisen. Das ist für mich zwar kein komplettes Neuland für mich, da ich situationsbedingt schon einige Wege allein beschritten habe, aber nicht in dem Ausmaß, wie ich es neuerdings betrieben habe.

    First we take London.

Das war sozusagen ein Spaßurlaub mit zwei langjährigen Freunden. Die beiden sind allerdings planmäßig einen Tag früher abgereist und somit hatte ich einen ganzen Tag zur Verfügung, eine Weltstadt alleine zu erkunden. (Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich London liebe und schon zum dritten Mal dort war.)
Im Hotel war es noch etwas befremdlich für mich, als plötzlich niemand anderer mehr da war und ich bemerkte, dass alleine reisen etwas ganz anderes ist, als alleine wohnen. Doch sobald ich in der Stadt unterwegs war, war das ganz anders und ich fühlte mich auch sehr wohl. Es war faszinierend festzustellen, dass man viel mehr wahrnimmt und der Spielraum für Begegnungen mit fremden Menschen viel größer ist. Eine Erfahrung dazu habe ich auch auf Facebook geteilt.

Street Food Market in Camden, London.

    Berlin – Hallo Deutschland!

Gerade mal eineinhalb Tage daheim gewesen, ging’s schon nach Berlin, wo ich insgesamt vier Tage war und vom Hotel zur Location und zur nächsten Location gefahren bin – alleine. Okay, ich hab mich auch mit meinem Coach, der dort neuerdings wohnt, getroffen. Aber war ich sonst wirklich die ganze Zeit allein unterwegs? Was war der Grund, dass ich es wage, meine Füße zum zweiten Mal in diese Stadt zu setzen, in der ich mich für meine Verhältnisse unerklärlich oft verlaufe und verfahre, und das bei meinem ausgezeichneten Orientierungssinn? Nun, da war ja noch ein Neuland…

Die Konferenz der Digitalen Nomaden, kurz DNX. Was sind Digitale Nomaden? Das sind Menschen mit einem Online-Business, die ihre konventionellen Jobs an den Nagel hängen, um selbständig und ortsunabhängig arbeiten zu können. Es werden mehrmals jährlich an verschiedenen Orten Events organisiert, wo sich etablierte und neue Menschen vernetzen können. Es war wirklich beeindruckend, über mehrere Tage Talks von erfolgreichen Leuten zu hören und neue Kontakte zu knüpfen. Was mich dabei besonders angesprochen hat, ist die Community, die Bewegung an sich, die unsere politischen und gesellschaftlichen Systeme in Frage stellt und mit der ich mich jetzt in irgendeiner Form verbunden fühle.

Mauerpark, Berlin.

    Was sonst noch so Neuland bei mir war…

Kennst du dieses Gefühl, dich zu einem Menschen so hingezogen zu fühlen, dass du glaubst, dass dein Blut schneller durch deine Venen fließt? Und hast du schon erlebt, wie dieses Gefühl wie ein Jenga-Turm (das Spiel, wo man die Holzteile aus dem Wackelturm rauszieht) zusammenfällt, weil die andere Person nichts von dir will? Auch das ist zumindest in dieser Form Neuland für mich und manchmal fällt es mir schwer, damit umzugehen. Schreiben hilft mir da noch am besten.

Soviel Neuland. Ich versuche einfach im Jetzt zu sein und nicht über mögliche Szenarien nachzudenken.
Wann hast du das letzte Mal Neuland betreten? Welche Erkenntnisse hast du dabei gewonnen? Schreib mir gerne einen Kommentar dazu. 🙂

Wenn es drunter und drüber geht

Liebe Leserin,
lieber Leser,

mir ist bewusst geworden, dass das Führen eines Blogs eine ganz spezielle Reise ist.  Und gerade bei meinem Blog „authentisch sein“ finde ich es sehr wichtig, dir mitzuteilen, wo ich gerade stehe. Mit allen Höhen und Tiefen. Na gut, fast allen.
Ich habe den Bloglaunch auch bewusst in einer für mich intensiven Phase gemacht. Es hat sich für mich richtig angefühlt, denn genau jetzt, wo es mich so fordert, bringt es mich am meisten weiter und kann ich dir damit den größten Mehrwert damit geben.  Das Niederschreiben und Teilen von persönlichen Erfahrungen in intensiven Lebensphasen kann auch für andere Menschen sehr hilfreich sein .

Die Aussage „ich habe gerade eine intensive Phase“ kennen manche, die mich gut kennen, von mir vielleicht schon. Ich glaube, das passiert sensiblen Menschen, die viele Dinge an und um sich wahrnehmen können (das heißt aber nicht, dass sie es immer tun), öfter und leichter. Darüber vielleicht in einem anderen Artikel mehr. Freue mich auch über jede Interessensbekundung. 😉

Nachdem der April für mich auf persönlicher Ebene sehr turbulent war, steht der Mai bei mir ganz im Zeichen von viel unterwegs sein. Da sind die Momente, wo man ein einfach mal innehält und checkt, was in einem gerade so abgeht, natürlich seltener und damit gleichzeitig auch kostbarer.
Gerade in Zeiten, wo im Außen viel los ist, ist es wichtig, in seiner Mitte gefestigt zu sein und den Boden unter den Füßen zu spüren. Klar, das ist leichter gesagt als getan, die Herausforderung oder die Überwindung ist da schon gegeben. Aber ich denke, dass man das trainieren kann. Wenn man sich z.B. immer wieder einmal daran erinnert, einen oder mehrere bewusste Atemzüge zu machen, fällt einem das Zurückholen in seine/ihre Mitte mit Sicherheit viel leichter.

Sehr empfehlen kann ich einmal eine Meditation auszuprobieren. Einfach mal sitzen und den Atem beobachten. Du wirst dabei das eine oder andere Mal den Fokus verlieren und in Gedanken abdriften. Verurteile dich aber nicht dafür, sondern kehre ganz einfach zum Atem zurück. Mir selber fällt das nach fünf Jahren Erfahrung auch sehr oft nicht leicht, aber ich bleibe einfach dran. Eine weitere gute Möglichkeit ist eine angeleitete Meditation, ob in einem Meditationszentrum oder über entsprechende Internetplattformen.
In letzter Zeit habe ich zumindest öfter als früher den Wald als Quelle der Ruhe und der Kraft aufgesucht. Es gibt sicherlich viele schöne Orte, wo man einfach runter schalten kann. Vielleicht hast du ja einen ganz speziellen, den dir du mir verraten möchtest, gerne auch persönlich. 😉

Damit komme ich auch gleich zu meiner abschließenden Frage an dich: Was hilft dir am meisten, um einfach mal abschalten zu können? Schreib mir gerne einen Kommentar dazu.

Jetzt schreib endlich!

Als ich begonnen habe, meine ersten Texte in Word zu schreiben, habe ich diesen Ausruf „Jetzt schreib endlich!“ getätigt. In einem Moment, wo ich gemerkt habe, dass ich nicht fokussiert im Jetzt war und meine Gedanken abdrifteten. Sofort wusste ich, dass dies der perfekte Titel für meinen ersten offiziellen Text ist.

Wenn ich diesen Ausruf noch näher betrachte, stelle ich fest, dass da noch mehr dahinter steckt. Eigentlich war Schreiben immer schon meine Stärke. In meiner Schulzeit habe ich Deutsch an jenen Tagen geliebt, wenn Aufsatz schreiben (in welcher Form auch immer) im Lehrplan stand. Bei den Schularbeiten war ich meist derjenige, der am längsten geschrieben hat. Als ich dann mit der Schule aufhörte, ging auch meine Passion fürs Schreiben irgendwie verloren. Die einzige häufigere Schreibtätigkeit im persönlichen Kontext in den letzten Jahren war das Führen einer Art Tagebuch, das ich einmal von zwei lieben Bekannten geschenkt bekommen habe. Meistens schreibe ich über akute Ereignisse und Erlebnisse, die mich bewegen und das passiert nicht regelmäßig. Aber genau solche Erlebnisse, oftmals zwischenmenschlicher Natur, haben mich nun immer mehr dazu bewegt, nach außen zu gehen und mich mit regelmäßigem Verfassen von Texten mehr zu öffnen.

Schreiben ist in erster Linie ein sehr introvertierter Prozess, eine Art Meditation. Es ist natürlich wichtig, sich mit sich selber auseinanderzusetzen und auch gewisse Dinge einfach für sich zu behalten, was ich auch weiterhin tun werde. Aber wenn man bemerkt, dass man sich in so einem Prozess immer mehr zurückzieht und die Distanz zur Gesellschaft sucht, sollte man meiner Ansicht nach dabei immer reflektieren, zu welchem Zeitpunkt man wieder auf andere Menschen mit dem, was einem gerade beschäftigt, zugehen sollte. (Wobei man auch beachten sollte, dass man dem Gegenüber damit nicht zur Last fällt.)

Auf andere Menschen zugehen war für mich nie wirklich einfach, besonders bei fremden Menschen oder in aufregenden Situationen. Oft war da etwas in mir drinnen, das mich davon abgehalten hat, natürlich auch wegen meinem Aussehen und/oder der Angst vor Enttäuschungen. Ich schreibe das bewusst in der Vergangenheitsform, weil ich das mit diesem Projekt hinter mir lassen möchte. Das wird mir natürlich nicht immer gelingen. Rückschläge gehören zum Leben dazu. Aber es wird mir immer öfter gelingen. Jedenfalls war ich immer schon eher zurückhaltend und habe meine Hemmungen meist erst dann abgelegt, wenn ich glaubte, mich wohl zu fühlen. Mittlerweile wurde es schon etwas besser, aber es ist immer noch so präsent, dass ich nun etwas aktiv dagegen tun möchte. Deshalb möchte ich nun mit euch allen ehrliche, persönliche Texte über mein Leben und was mir sonst wichtig erscheint, teilen.

Ich wünsche mir, dass dieser Schritt nicht nur eine Art Therapie für mich selbst ist, sondern vielmehr auch für dich und noch viel mehr Menschen von Bedeutung und eine Bereicherung fürs Leben sein wird. Ich bin davon überzeugt, dass ich anderen Menschen dabei helfen kann, mehr zu sich selber zu stehen und – im wahrsten Sinne des Wortes – authentisch zu sein.
Mathias