So wie es war. Neulich in der Bahn

So wie es war. 

Neulich in der Bahn. 

Hier trifft man sich öfters. 

Ich sah erst, dass er links gegenüber von mir saß, als ich mich fürs Aussteigen vorbereiten wollte. In der einen Hand sein Bier, neben ihm abgelegt sein Rucksack.

”Ah, servas.” 

“ Wie geht’s in da Orbeit?” 

Wienerisch kann man nicht als App runterladen. 

“Ja, eh gut. Und bei dir?” 

“ Ned so guat. Heit hob i 3 Zeitungen verkauft.” 

Wohlstand kann man auch nicht als App runterladen. 

“ Des is ned vü. Naja bei dem Wetter…” 

“Oasch Weda heit. Wüst ane?” 

Während er seinen Rucksack öffnet, krame ich mein Geldbörsl hervor und finde erst mal nur Schotter. 

“Zwa-fuffzig warats.” 

Ich gebe ihm fünf. 

“Kriegst wos retour?” 

“Na, loss steckn.” 

“Wohnst du no bei die Ötern?” 

“Na, I wohn scho ala.” 

“ Host a schene Wohnung?” 

“Mhm.” 

“Wie groß?“ 

“Groß genug für mich.” 

“Wos zoist?” 

“xxx.” (Eigentlich hab ich irgendwas gesagt. Ein bisschen Understatement halt.) 

“Kriegst du wos zruck?” 

“Na, loss steckn.” 

“Oasch Weda heit.” 

“Jo, heit is schiach.” 

“Wos oabeitst du?” 

“…” 

“Wos mochst jetzt no? Kochst wos?” 

“Jo, I wer ma jetzt no wos mochn.” 

“I hob ma gestern Spare Ribs kauft.” 

“Wo hostn de kauft?” 

 “Beim Billa. Kriegst du wos zruck?” 

“Na, loss steckn.” 

Ich verabschiedete mich, da der Zug in die Station einfuhr und ging Richtung Tür. 

Er wünschte mir noch einen schönen Tag. 

Normalerweise geb ich selten was her. Ich kann ja nicht allen helfen und es gibt auch viele Betrüger, sage ich mir oft. Aber diesmal hatte ich dieses naive, aber unzerstörbare Gefühl, als hätte ich gerade die Welt verändert. 

Hinter mir das Licht

Hinter mir das Licht

Die Sonne, die untergeht

Vor mir der Weg hinein

Der Wald, der ruft


Verzweifelt will ich Zuflucht nehmen

Das Bedürfnis nach Verbindung

Die Hoffnung auf Erlösung

Immer weiter folge ich dem Weg


Die Dunkelheit des Waldes

Die Furcht vor dem Ungewissen

Die Bedrohung des Unscheinbaren

Es ist nichts außer Einbildung


Kein Wald, nur Bäume

Da, eine Weggabelung!

Vielleicht Trennung, vielleicht Wiedervereinigung

Eine Wendung des Schicksals oder nur Obsession?


Einen Baum hab ich gefunden

Einen Meister hab ich entdeckt

Leben wächst aus ihm heraus

Und er steht tief verwurzelt


Plötzlich Stimmen, plötzlich Gefahr

Das Trauma ist zurückgekehrt

Weiter hinauf in die Deckung


Still, leise und abwartend

Wie ein Reh, das beobachtet

Langsam den Weg zurück


Plötzlich Stimmen von hinten

Jetzt aber nichts wie raus

Von vorne kommt auch was

Jetzt egal, was soll passieren?


Hinter mir die Dunkelheit

Immer weiter eile ich hinaus

Der Alleingang setzt sich fort


Vor mir ist nichts mehr wie zuvor

Der Traum ist geplatzt

Das Licht ist verschwunden

Voller Leben

Was ist das „Gute Leben“?

An einem sonnigen Freitagnachmittag bei Hannah und Dominik vom Verein „Voller Leben“ hatte ich das Gefühl, dieser Frage näher zu kommen.

Innerhalb eines Jahres hat sich hier viel getan. Mit viel Freude sehe ich eine neu angelegte Ecke für Gemüse und Pflanzen. Genauso wie einen Kräutergarten. Und seit letztem Sommer gibt es hier auch Bienenstöcke. Jedoch hat der „Honig-Jahrgang 2019“ keinen guten Start hingelegt nach dem warm-kalten Winter und einem kühlen, regenreichen Frühjahr. Die aktuell sommerlichen Temperaturen lassen jedoch Zuversicht verbreiten, dass es doch noch eine reichliche Honig-Ernte geben wird.

Auch wenn, oder gerade weil hier viel Grün vorherrscht, sind auch die Menschen, die hier wohnen, voller Leben. Nicht nur, dass das zugehörige Haus als WG geführt wird, es bringen sich auch die hier wohnenden Menschen auf unterschiedliche Art und Weise ein. Nicht umsonst verstehen sie sich als „Forschungsfeld für sozial und ökologisch nachhaltiges Leben“.

An diesem besagten Nachmittag hat Dominik ein paar Leute mit in die Welt des Bogenschießens genommen. Seit etwa 10 Jahren betreibt er schon diese Leidenschaft. Mittlerweile baut er schon eigene Bögen und hält auch Kurse dazu ab. Die Einführung ins Schießen nahm ich einerseits körperlich wie auch geistig fordernd, gleichzeitig aber auch entspannend wahr. Dabei konnte ich auch Parallele zu meiner Meditationserfahrung sehen.

Apropos Meditation: Hannah habe ich 2012 damals noch bei der Buddhistischen Jugend kennengelernt. Mittlerweile bietet sie schon selber Meditationsabende an, genauso wie Coaching oder Workshops zu natürlicher Verhütung.

Es ist für mich einfach schön zu sehen, wie über einen längeren Zeitraum etwas Fruchtbares aus dem Boden wächst. So wie eben draußen im Garten. Ich bin sehr gerne an diesem Ort und bei diesen Menschen, weil ich hier so viel Hoffnung spüre. Es erinnert mich an mein Bestreben nach mehr Verbundenheit nicht nur zu mir selbst, sondern auch zu der Natur und den Menschen, die auf sich und das kollektive Leben achten.

Was ist das „Gute Leben“?

An diesem Nachmittag hatte ich das Gefühl, der Antwort auf diese Frage näher zu kommen.

Hier geht’s zur Webseite von Voller Leben.

Gastartikel: Vom Wesen des Seins und dem Raum dazwischen

Neulich, bei einem gemeinsamen Spaziergang, haben wir über Vorbildwirkung gesprochen. Nach diesem Gespräch wurde mir klar, dass mein Fokus auf authentische Haltung in meinem Leben nicht zuletzt durch meine Mutter mitgeprägt und unterstützt wird. Daher freut es mich besonders, dass sie  –  wenn auch etwas unerwartet  –  den ersten Gastartikel für meinen Blog geschrieben hat. // Mathias


Martina Lederer vom Verein faireint mit Herz ganz authentisch über ihre Erlebnisse in ihrer Berufung und überhaupt im Leben:

Da sitze ich und schreibe die Überschrift für all das, was zum Ausdruck kommen will und bin schon mittendrin in der Energie dessen was gerade IST, werde richtig reingezogen.

Für diesen Bruchteil einer Sekunde wird es weit in mir. Dieser kleine Moment, der so leicht zu übergehen ist weil der Verstand sagt: konzentriere dich, überlege gut deine Worte die du hier niederschreibst!

Nein.

Ich lasse diesen Moment der Weite in mir zu. Gebe dem nach, was sich in mir fühlen lassen will.

Und ich fühle das junge Mädchen in mir, das so gern gelesen und geschrieben hat. In mir werden Bilder lebendig, während ich hier schreibe, ich kann es spüren, riechen….damals…wie es war. Wie ich war, wenn ich Bücher verschlungen habe und Gedichte, Kurzgeschichten in müheloser Leichtigkeit quasi aus dem Ärmel beutelte.

Eine Mischung aus süßer Wehmut, Freude, Begeisterung und Energie die gelebt werden will, steigt in mir hoch. Ich merke, dass ich schmunzle. Ich spüre mein warmes, weites Herz in mir und die Dankbarkeit mir selbst gegenüber, diesen Raum dazwischen, zwischen dem Verstand der „korrekt“ schreiben will und der kleinen Sekunde, als sich das Mädchen in mir meldete, zugelassen zu haben. Das hat was von Freiraum.

Dieser Raum dazwischen ist so unglaublich vielschichtig und in allem Leben fühlbar, wenn wir uns öffnen dafür. Es ist dieser Moment der Zehntelsekunde des Öffnens, wo sich in meinem Wirken mit Menschen das Fenster zu unseren Seelen öffnet.

Wo echte Begegnung stattfindet. Wo Selbstheilungsprozesse beginnen.

Wo sich unsere Herzen begegnen und so spürbar ist, dass wir alle eins sind.

Wo sich die Energie der gesprochenen Worte verändert, wo gesprochen wird ohne ein einziges Wort und es einfach fließt.

Wo sich Augen begegnen die sich alles und nichts sagen.

Er ist heilig für mich, dieser kleine Moment, wo spürbar wird, auf welche Weise sich die Seele, das Herz eines Menschen jetzt in diesem Sosein gerade öffnet für die gemeinsame Reise in der Einheit, die ich gebe.

Wenn ich einen Baum umarme und in diesem kurzen Moment diesen Switch der Verbindung zu Mutter Erde in mir aufkommen spüre, der so viel mehr ermöglicht. Dieser kleine Moment, wenn eine liebevoll zubereitete, nahrhafte Speise sich mit dem ersten Bissen auf meiner Zunge ausbreitet und ich den intensiven Geschmack in mir aufnehme.

Es offenbart sich in uns in allem was uns ausmacht, wenn wir es zulassen. Der Raum dazwischen, zwischen dir und mir in unserem SEIN, zwischen dem was IST und der alles möglich macht was daraus entsteht. Wo sich Masken und Schutzpanzer auflösen und wir in unserer ganzen Verletzlichkeit unser wunderbares, innewohnendes Wesen offenbaren.

Er ist es, der mich das Leben spüren lässt, in seiner wundervollsten Weise.

In jeder Zelle. Er öffnet das Tor.

Dies ist eine Kooperation mit dem Verein faireint mit Herz, ZVR-Zahl 1616366738

Vertrauen Angst ist nicht Vertrauen.

Anmerkungen des Autors:
Hallo, da bin ich wieder. Es ist ein kurzes, zaghaftes Hallo. Eines inmitten von turbulenten Zeiten, die ich erlebe. Das Jahr 2018 verlangt von mir Aufmerksamkeit und Einsatz auf vielen verschiedenen Ebenen. Natürlich hab ich es mir im Endeffekt so ausgesucht, auch wenn einige unerwartete Ereignisse ebenso passiert sind.
Auch im noch verbleibenden Jahresabschnitt werde ich mich hier wieder rarmachen. Meine Hoffnung und Absicht aus momentaner Sicht ist es, im Jahr 2019 wieder mehr mit euch zu teilen.

Verfasst wurde dieser Text von Juli bis September 2018.
Finale Überarbeitung im Oktober 2018.

Eigentlich wollte ich einen Text schreiben über das Vertrauensverhältnis gegenüber meinen Mitmenschen. Über das Gefühl, Misstrauen zu haben gegenüber wertvollen Wegbegleiter*innen, weil sie sich plötzlich anders verhalten. Über das Gefühl, verwundbar zu sein. Über die Wahrnehmung, etwas Falsches getan zu haben und sich trotzdem quasi obendrein falsch behandelt worden zu fühlen.

Was ist eigentlich falsch? Denk nicht darüber nach, gib einfach alles von deiner mitfühlenden und empathischen Seite.

Wie oft war ich schon in dieser Situation. Habe mich in irgendeine Misere geritten und mache jetzt gute Miene zum bösen Spiel, quasi als Schadensbegrenzung.

Warum nicht aufs Ganze gehen?
Angst, das Gesicht zu verlieren.

Angst vor Ausgrenzung. Allein gelassen zu werden.
Angst vor Konfrontation, Konflikte mit Anderen.
Angst, nicht „angemessen“ oder „richtig“ zu reagieren.
Etwas „falsches“ zu sagen, nicht schlagfertig zu sein.
Angst, zu scheitern.

Angst, Angst, Angst.
Was ist eigentlich falsch? Was ist schon richtig?

Hoffnungslos. Im Sinne von machtlos, kann die Situation nicht beeinflussen.

Verantwortlich. Egal wie, ich mache es falsch. Die Last (Verantwortung) auf mich nehmen.

Was ist eigentlich falsch?

Angst, Angst, Angst.
Angst ist nicht Vertrauen.

Vielleicht sollte ich öfter meditieren.
Neulich hatten wir in unserer Meditationsgruppe (Wake Up Wien) Besuch von einem bekannten Mönch und einer ebensolchen Nonne aus einem der größten Klöster Europas. Bei seinem Talk hat der besagte Mönch unter anderem über liebevolles Sprechen und Zuhören geredet. Von Menschen, die in jeder Situation tiefes Mitgefühl und Verständnis gegenüber ihren Mitmenschen aufbringen. In jeder Situation. Und wenn sie noch so ungerecht ist. Wie machen die das? Oder wie hat Jesus Christus das gemacht?

Sie lieben und vertrauen sich selbst. Indem sie jeden Tag liebevolle Güte praktizieren. Zu sich selbst und zu anderen.

 

Angst ist nicht Vertrauen.

Aus Vertrauen kann viel Positives entstehen.
Aus Angst kann auch viel entstehen. Aber halt nicht viel Schönes. Das sehen wir ja eh jeden Tag in der Begegnung mit Menschen, beim Konsum von Medien und dem Zuhören diverser Politiker*innen, auf der Straße, auch im engeren Umfeld, usw. usf.

Angst vor Verlust.
Angst vor Kontrollverlust.

Angst zu verlieren.
Angst, das Gesicht zu verlieren.
Angst, sich selbst zu verlieren.

Angst vor Mangel an Liebe.
Angst vor Nähe.
Angst vor dem Zulassen von Liebe.

Geht’s hier eigentlich um Vertrauen oder um Angst?

Aus Vertrauen kann viel Positives entstehen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn wir einen Mangel an (Selbst-)Vertrauen haben, befinden wir uns in einem Hamsterrad. Da stecken wir mit einem bestimmten Thema bildlich gesprochen in einem Zyklus, in einem Kreislauf, fest. Herbeigeführt kann das durch einen abgespeicherten Glaubenssatz, eine Affirmation, sein.
Ein Beispiel von mir wäre das Phänomen des „Geprüft werden“. Jemand aus meinem näheren Umfeld hatte bei mir das Muster beobachtet, dass ich immer von einer Lebens-Prüfung zur nächsten taumelte. Ohne Pause. Am Tag, als ich diese Zeilen schreibe, hab ich das meiner Nachbarin erzählt. Und sie hat mir etwas Wichtiges aufgezeigt: „ Das [Geprüft werden] passiert dir deswegen, weil du dich ständig selber prüfen willst. Weil du dir selber nicht vertraust. So wie du mit dir selber umgehst, so passiert es auch im Außen.“

Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen.
Ich nehme mich an und liebe mich, mit all meinen Licht- und Schattenseiten.

Löschen, löschen, löschen.
Alles, was mich daran hindert, die Kette zu unterbrechen.

Empfangen, empfangen, empfangen.
Alles, was mich unterstützt, mir selbst zu vertrauen und in die eigene volle Kraft kommen.

Schlussendlich bin ich dann bei dem Punkt angelangt, dass Vertrauen eine große Ressourcenquelle für mich ist.
Vertrauen, dass immer „das Richtige“ in meinem Leben passiert. Vertrauen, dass alles gut ist. Vertrauen, dass alles im Fluss und nichts voneinander getrennt ist. Vertrauen in mich selbst, meine Kraft, mein Potential und meine Fähigkeiten.
Vielleicht sollte ich öfter meditieren. Vielleicht sollte ich öfter über Vertrauen meditieren.

Müßiggang und rechte Anstrengung

 

müßig – keiner [sinnvollen] Beschäftigung nachgehend; [auf gelangweilte Weise] untätig
(Duden)

Dieses altmodisch und gehoben anmutende Wort verschwindet zusehends aus unserem Sprachgebrauch. Aber es ist nicht einfach nur ein Wort, es ist eine ganze Kultur, die vom Aussterben bedroht zu sein scheint – ich nenne sie die Kultur des Müßigganges. Die Kultur des Innehaltens, des Stehenbleibens, des Nichtstuns, des Stoppens von Uhren. Hat alles in unserer hektischen und schnelllebigen Gesellschaft keinen Platz. Selbst in der Definition von Duden lese ich eine negativ behaftete Verwendung dieses Wortes heraus. Einer Person, die untätig ist, muss also langweilig sein. Nichtstun ist also keine sinnvolle Beschäftigung.

Bitte versteh mich nicht falsch, ich möchte nicht dazu aufrufen, ab jetzt nur noch faul und träge zu sein (wobei, ein bisschen finde ich okay ;)).
Aber wie wäre es denn damit, wenn du dir auch Momente gönnst, wo du jeden möglichen Stress und Anspannung fallen lässt und einfach nur mal chillst. Beobachte dabei mal deinen Atem. Spüre, wie dein Brustkorb sich hebt und wieder senkt. Macht sich nun Ruhe und Gelassenheit bei dir breit?

Dolce Vita – luxuriöses Leben, das aus Müßiggang und Vergnügungen besteht
(Duden)

Zur Kultur des Müßigganges gehört für mich auch dazu, in einem gewissen Rahmen einfach nur die Dinge zu tun, die ich auch wirklich machen will. Hierzu möchte ich eine weitere in Vergessenheit geratene Wortschöpfung ausgraben: Dolce Vita.
Dabei kommen mir sofort ganz bestimmte Bilder in den Kopf: Reiche Menschen, die in ihrer Villen und Yachten in Saus und Braus leben und ihre Zeit und Geld nur für ihre teuren, teilweise moralisch fragwürdigen Hobbys ausgeben.

In der Mittelschicht des Nord- und Mitteleuropa, wo sich viele von uns dazu zählen dürfen, geht es uns aber auch nicht so schlecht, würde ich mal behaupten. Wir können uns zwar vielleicht nicht alles leisten und manche sagen, das wird in den kommenden Jahren/Jahrzehnten noch drastischer werden. Aber wenn ich bei Zusammenkünften von Familien und Freund*innen wie etwa Weihnachten oder Geburtstage sehe, was wir dabei alles konsumieren und dann noch ab und zu fortgehen oder etwas unternehmen können…
Ich weiß, dass es mehr als genug Menschen gibt, die sich das alles nicht leisten können und vielleicht nicht einmal ein warmes Zuhause haben. Jedenfalls bin ich sehr dankbar für jede Mahlzeit, jeden Urlaub und alles, was ich mir leisten kann. Umso wichtiger ist es für mich, bei Konsum achtsam zu sein und bin mir bewusst, dass ich hier selber noch einiges lernen darf.

Was mich auf diesem Weg unterstützt:

Seit 2012 praktiziere ich in verschiedenen Meditationsgruppen für junge Erwachsene, was sich bestimmt maßgeblich in einigen meiner Charakterzüge niederschlägt. Ich bin sicherlich ruhiger, gelassener und gleichzeitig auch zugänglicher geworden. Ohne Meditation hätte ich weniger Lebensfreude und nebenbei auch einen kleineren Freundeskreis. Nicht, dass es mir jetzt darum geht, viele Freund*innen zu haben, aber es erfüllt mich mit Freude, auf diesem Weg viele neue, wundervolle Menschen kennenzulernen.

Klar ist natürlich auch, dass ich dabei immer wieder auf Herausforderungen stoße. Manche davon sind vielleicht etwas heimtückischer und kommen immer wieder zum Vorschein. Bei mir sind das Fragen wie „Wie kann ich diese Praxis in meinem Alltag umsetzen?“ oder „Wie erreiche ich einen Zustand von absoluten Frieden in mir?“

Ich halte Achtsamkeit im Alltag für wichtig, weil es nun einmal nicht genügt, im stillen Kammerl nach Erleuchtung zu streben. Unser Leben findet nun einmal großteils „da draußen“ statt – ein Umstand, der mir zwar nicht immer leicht fällt, anzunehmen (und dir?). Aber ich nehme es zumindest zur Kenntnis und versuche, in jedem Moment, in jeder Interaktion präsent zu sein. Gefühlte 9 von 10 Mal scheitere ich dabei, auch wenn dieser subjektive Eindruck etwas streng anmutet. Aber er hilft mir dabei, meine Achtsamkeit zu verbessern und erinnert mich daran, liebevoll mit anderen und vor allem mit mir selbst zu sein. Auf diese Art und Weise komme ich vielleicht auch dem Zustand von absoluten Frieden in mir selbst etwas näher.

Ich kann mich glücklich schätzen, einen ausgeprägten Sinn für Gefühle oder anderen nicht greifbaren Zuständen zu haben, andererseits bin ich auch ein irrsinniger Kopfmensch. Das ruft immer wieder innere Konflikte in mir hervor, besonders in Meditationseinheiten. Wenn mir dann andere Meditierende berichten, sie hätten Friede und Verbundenheit in sich und dem ganzen Raum wahrgenommen, merke ich, dass ich mit mir selbst oftmals kritisch umgehe, wenn ich solche Zustände nicht erlebt hatte. Ich müsste mich eben mehr anstrengen, sage ich dann zu mir selbst. Hier liegt aber das eigentliche Problem: Je mehr du dich an sogenannten „Schwierigkeiten“ anhaftest, umso größer erscheinen sie dir.

Es gibt im Buddhismus so etwas wie „Rechte Anstrengung“ oder „Rechtes Bemühen“. In den verschiedenen Traditionen gibt es hierzu unterschiedliche Auslegungen, die zum Teil auch kontrovers diskutiert werden. Es gibt da zum Beispiel das Klischee des Zen-Buddhismus, wo alle stunden- oder tagelang sitzend gegen die Wand starren (welches zutreffen kann, aber keinesfalls muss). Eine, für uns Menschen im Westen zugänglicher erscheinende Auslegung, ist die des Mittleren Weges. Dabei geht es darum, auf Vergnügungen und Ablenkungen im eigenen Ermessen zu verzichten (dein inneres Bewusstsein weiß eh genau, was dir guttut und was nicht), ohne dabei es mit Einschränkungen im Alltag zugunsten der buddhistischen Praxis auf die Spitze zu treiben.

 (c) ML

Hier hätten wir also eine mögliche Umgangsweise zu den oben beschriebenen Lebensformen in Bezug auf Konsum. Zu dieser Thematik passt auch folgendes Sutta, ein buddhistischer Text, über Buddhas Schüler Sona, der ein meditativ abgeschiedenes und bescheidenes Leben führte und auch er hatte Probleme, ein gesundes Mittelmaß zwischen Anstrengung und Trägheit zu finden. Als sein Lehrer davon erfuhr, antwortete er darauf mit einem Gleichnis:

…Sag, Sona, du hattest dich doch wohl früher, als du noch im Hause lebtest, auf den Saitenklang im Lautenspiel verstanden?
Ja, o Herr.
Sag, Sona, wenn die Saiten deiner Laute zu straff gespannt waren, gab dann wohl deine Laute einen vollen Klang und war sie zu gebrauchen?
Nein, o Herr.
Wenn nun aber die Saiten deiner Laute zu lose gespannt waren, gab dann wohl deine Laute einen vollen Klang und war sie zu gebrauchen?
Nein, o Herr.
Wenn nun aber, Sona, die Saiten deiner Laute weder zu straff noch zu lose gespannt, sondern auf mittlere Tonhöhe abgestimmt waren, gab dann wohl deine Laute einen vollen Klang und war sie zu gebrauchen?
Ja, o Herr.
Ebenso auch, Sona, führt allzu straffe Anspannung der Willenskraft zur Aufregung, allzu schlaffe Anspannung aber zur Trägheit. Darum, Sona, halte dich an ein Ebenmaß deiner Willenskraft, erwirb dir ein Ebenmaß deiner Fähigkeiten und strebe dann nach dem Ziel…

(Sona-Sutta, Pali-Kanon AN 6.55)

© Ressourcen und Inspirationen:
mindful survivor
Blog „Säkularer Buddhismus“
Duden

Annehmen, so wie ich bin

„solange du es nicht lustig findest, kannst du doch auch nicht glücklich sein“

Diese Bemerkung hat einmal eine gute Freundin in einer Textnachricht von sich gegeben und ich hatte den Impuls, sie mir zu notieren. Der Kontext ist dabei zweitrangig. Wenn ich diesen Satz lese, kann ich eine vielseitige Bedeutung für mein Leben dahinter erkennen. All meine Eigen- und Besonderheiten mit Humor zu sehen und mit einem Lächeln anzunehmen. Nicht, dass ich noch nie Selbstironie geäußert hätte. Teilweise gelingt mir das eh ganz gut. Aber eben nicht immer.

Wie oft habe ich mir schon gewünscht, jemand anders zu sein. Am besten ein gutaussehender 08/15-Typ, der alles bekommt, was er glaubt zu brauchen – Alkohol, Drogen, Partys, Frauen (aus meiner Perspektive), Sex, viele Freunde, Geld, einen tollen Körper, einen geilen Job, ein stets befriedigtes Ego…alles auf einmal und so betäubt von all diesen Dingen, dass er weit genug von sich selbst entfernt ist, dass er sein Leiden gar nicht mitbekommt.

Der heutzutage vorherrschende Idealismus ist nun mal ein hartes Business. Besonders für jene, die nicht in das von Gesellschaft/Medien vorgegebene Raster fallen, also aufgrund ihres Aussehens oder bestimmter Eigenschaften („Der/Die is ned ganz dicht in der Marille“) nicht „cool“ genug sind. Dabei ist das alles nur eine glatte Lüge, eine Fassade. Um es in den Worten meines Coach Robert Kraxner zu sagen: Wir bescheißen uns selbst.

Zum oben erwähnten Begriff Idealismus steht im Duden folgendes: „[mit Selbstaufopferung verbundenes] Streben nach Verwirklichung von Idealen; durch Ideale bestimmte Weltanschauung, Lebensführung“ …das finde ich äußerst interessant. Das Streben nach Verwirklichung von Idealen ist also mit Selbstaufopferung verbunden. Kommt dir das vielleicht bekannt vor? Geben wir nicht einen Teil unserer Identität – im Sinne unseres Echtseins, unseres Authentisch-seins 😉 – auf, nur um anderen zu gefallen? Ist das nicht ein fauler Kompromiss?

Hand aufs Herz: Keiner von uns ist makellos. Und die Wenigsten von uns sind mit sich selbst so im Reinen, dass sie ihre „hässliche“ Seite jeden Tag mit einem Lächeln begegnen können. Warum fällt es vielen von uns so schwer, das auch zu kommunizieren? Vor allen anderen zu stehen und es zu sagen, wenn man an einem schlechten Tag unglücklich ist mit dem eigenen Aussehen, Verhalten, Selbstwertgefühl?

Natürlich gibt es auch Menschen, die aus tiefstem Herzen zufrieden mit sich selbst sind und auch jene, die sich immer wieder mal wie ein Häufchen Elend fühlen und das auch gerne mitteilen. Egal in welcher Situation, es ist immer von Vorteil, ein Gespür dafür zu haben, wann, wie und was man von sich äußert. Das kenne ich aus eigener Erfahrung sehr gut.

Hast du schon mal bei dieser Wertschätzungsübung mitgemacht, wo man anderen Personen auf einem Zettel schreibt, welche Eigenschaften man an ihr/ihm schätzt? Ich hab das schon mehrmals in unterschiedlichen Kontexten erlebt und dabei schon einige Male zu Lesen bekommen, dass ich ein positiver, selbstbewusster Mensch bin. Auch in anderen Situationen wurde dies mir gegenüber zum Ausdruck gebracht. Dabei fühle ich mich oft nach allem, nur nicht SO!!

Schon komisch, wie stark sich die Wahrnehmungen über die eigene Person unterscheiden können. Meistens urteilen die Anderen viel wohlwollender als jemand über sich selbst. Doch warum ist das so? Wieso fällt es uns leichter, andere Menschen positiv zu betrachten als uns selbst?

Da wären wir wieder einmal beim Thema Selbstliebe. Vielleicht sollten wir mal damit anfangen, zuallererst zu uns selbst wohlwollend zu sein? Das kann so viel bewirken. Die Art und Weise, wie wir dann anderen Menschen gegenübertreten, ist Tausend zu Eins. Natürlich ist das eine Lektion, an die wir uns immer wieder neu erinnern dürfen. Das gehört nun mal zum Leben dazu. Einfach und schön, oder wie findest du das? :)

Danke an Johanna für die Inspiration zu diesem Text.

Über Alleinsein und Einsamkeit

Liebe Leserin,
Lieber Leser,

dieser Text hat die bisher längste Bearbeitungszeit beansprucht, nämlich circa 5 Monate. Natürlich nicht durchgehend, sondern mit vielen Pausen, insbesondere aufgrund meines 2017er-Sommerlochs, das ich im Artikel noch einmal erwähnen werde. Dennoch finde ich, dass er sehr rund geworden ist, einen roten Faden hat und auch deswegen bin ich sehr zufrieden mit dem Resultat. Schreib mir gerne einen Kommentar, wie du meinen Text findest und insbesondere würden mich deine Gedanken, Erfahrungen und Gefühle zu diesem Thema interessieren.
Mathias

2016 habe ich bei meinem Coach Robert Kraxner einen Prozess zur Findung und Kultivierung meiner eigenen Stärken bzw. zur Entdeckung der persönlichen Berufung/en begonnen. (Dank dieses Prozesses habe ich übrigens auch zum Schreiben wiedergefunden.) Einmal hat er mir dabei aufgezeigt, zwischen Alleinsein und Einsamkeit zu unterscheiden. Während sich Alleinsein sich auf den physischen Zustand beschränkt, hängt Einsamkeit nicht davon ab, ob man von anderen Menschen umgeben ist. Vielleicht kennst du ja das Gefühl, in einem Raum voller Menschen zu stehen und sich trotzdem „allein“ zu fühlen – das nennt man dann wohl Einsamkeit.

Im Frühjahr 2017 setzte ich mich mit starken Einsamkeitsgefühlen auseinander. Wobei mir solche Gefühle grundsätzlich nicht neu sind. Ich weiß meine Familie, die immer hinter mir steht, sehr zu schätzen. Auch Freund*innen haben mir schon durch die eine oder andere dunkle Stunde geholfen. Dennoch war mir immer schon bewusst, dass man die Hürden, die im Leben immer wieder mal auftauchen, nur selber überwinden kann. Manchmal versuche ich diese Hürden zu umgehen, auf gut Wienerisch, mich durchzuwurschteln. Manchmal steh ich einfach nur da und schau deppert (auch Wienerisch). Doch meistens versuche ich die Hürde zu erklimmen und steige dabei so hoch hinauf, wie ich kann. Da kann es aber auch passieren, dass ich wieder weit hinunter falle. Die Landung dabei tut bekanntlich weh. Und die Schmerzen, die ich dabei forttrage, kuriere ich meistens so lange alleine aus, bis ich es nicht mehr aushalte und mich jemandem öffne.

Jedenfalls litt ich unter Einsamkeit, die lange Zeit unter der Oberfläche verborgen war. Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Am Schlimmsten war es, wenn ich von unterwegs in meine stille Wohnung heimkam. Das kennst du vielleicht auch, in der Gesellschaft ist es oft schön und lustig, aber wehe du bist einmal alleine, da könntest du dich ja mit deinen Gefühlen auseinandersetzen. Huch! O:

Viele Menschen lenken sich, wenn sie z.B. alleine unterwegs sind, mit Internet, Musik etc. ab. Ich halte meine Internetaktivität grundsätzlich beschränkt. Nämlich nur zu bestimmten Tageszeiten oder als bewusst gewählten Lückenfüller. Ich glaube, dadurch nehme ich meine Gefühle auch öfter bzw. deutlicher wahr. (Auch wenn ich mich gerne durch Gedanken jeglicher Art ablenken lasse.)

Für mich ist es offensichtlich, dass ich aufgrund meines Handicaps und meiner Lebenseinstellung in gewisser Weise nicht Teil der breiten Masse bin. Ich sehe mich als jemanden, der seine eigenen Wege geht. Wie schon in diesem Artikel beschrieben, fehlt es mir aber dabei zu oft an Selbstvertrauen, das auch kompromisslos durchzuziehen und das macht dieses Unterfangen zu einer manchmal sehr schmerzvollen Angelegenheit. Es macht mich teilweise zurückhaltend und verschlossen, dagegen nur in selbstdeklarierten sicheren Rahmen zugänglich. Der Prozess, mich anderen mehr zu öffnen, begleitet mich auch speziell hier seit der Anfangszeit meines Blogs, weshalb ich zuversichtlich bin, dass meine Texte mit der Zeit noch authentischer werden. 😉

Und wie ging’s weiter? Konnte ich meine intensive Einsamkeit überwinden?

Es folgte die Neuland-Phase. In dieser Zeit war ich viel unterwegs und es wurde mir deutlich wie noch nie aufgezeigt, dass Einsamkeit nicht nur in den eigenen vier Wänden existiert. Wenn du abends alleine im Hotelzimmer sitzt und du das Gefühl bekommst, dass dir gleich die Decke auf den Schädel fällt, dann wird dir schon ein bisschen anders. Es war ein bisschen ein Ohnmachtsgefühl. So auf die Art „Und was jetzt?“. Warum wissen wir so wenig mit uns selber anzufangen? Wieso halten wir es alleine, ohne Ablenkungen wohlgemerkt, so schlecht aus? In der heutigen sensationsgierigen Gesellschaft haben wir wohl verlernt, Momente der Stille und Gefühle der Einsamkeit überhaupt zuzulassen.

In dieser Neuland-Phase, sowie in der darauffolgenden Sommerloch-Phase, habe ich auch intensiv wie noch nie die Liebe im Außen gesucht. Ich bin mir meiner Eigenverantwortung in Bezug auf Selbstliebe durchaus bewusst, auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dabei wieder einmal bei null anzufangen. Aber es muss ja nicht grundsätzlich ein Fehler sein, mein Herz gleichzeitig auch für andere Menschen zu öffnen. Dennoch frage ich mich manchmal, ob das nicht ein Widerspruch ist. Diese Ansicht bestärkt sich besonders bei jeder Enttäuschung, die ich bisher auf dieser Ebene hinnehmen musste.

Aber bei jeder Enttäuschung (und das muss nicht unbedingt mit Liebe zu tun haben) lernt man nicht nur seine Mitmenschen, sondern auch sich selbst besser kennen und dass man der eigenen Linie immer treu sein sollte. Nicht darauf versteifen, aber sich auch nicht verbiegen lassen.

Anhaftung an Hoffnungen ist für mich genauso wenig hilfreich wie Gleichgültigkeit oder Resignation, um aus der Situation der Einsamkeit wieder herauszukommen. Ich habe gelernt, dass jegliche Verlockung von Außen kein Heilsbringer für Einsamkeit ist, sei es eine andere Person oder materielle Dinge. Auch das Warten, dass etwas Wundersames passiert, verringert nicht das Leiden – im Gegenteil, es intensiviert es so sogar.

Mittlerweile kann ich die Momente der Stille in meiner Wohnung wieder genießen. Auch wenn ich nach gewisser Zeit dann gerne die Musik aufdrehe. Aber auch das darf sein.
Und es wird wieder Tage geben, wo ich mich einsam fühle und die Sehnsucht aufkommen wird, verstanden und geliebt zu werden. Ich versuche einfach, mein Herz offen zu halten und die Gegenwart anzunehmen, egal wo ich gerade bin.

Es gibt kein ultimatives Heilrezept gegen Einsamkeit. Aber es ist sicher nicht verkehrt, sie einfach anzunehmen, ihre Wurzeln und Hintergründe zu betrachten und zu erkennen, dass alles wieder vorüber geht.

Alles hat ein Ende, nur die Wurscht hat zwei.
(Das gilt übrigens auch für vegane Würschteln. :P)

Sommerloch

Liebe Leserin,
Lieber Leser,
dies ist ein etwas ungewöhnlicher Blogpost von mir. Es ist der erste seit drei Monaten, nachdem ich im Sommer 2017 nach einigen emotionalen Turbulenzen ausschließlich Texte zur eigenen Verarbeitung geschrieben habe. In diesem Artikel möchte ich Auszüge aus meinen Notizen zu bestimmten Erlebnissen mit dir teilen. Bitte verstehe, dass ich bestimmte Aspekte und Ereignisse nur umschrieben habe, da es sich hierbei zumindest teilweise um zwischenmenschliche Themen handelt. Und bitte sei dir bewusst, dass diese Texte auch Zeugnisse meiner Prozesse und Entwicklungen über den Sommer 2017 hindurch sind und diese sich währenddessen auch mehrfach verändert haben. Sie prägen, so wie jeder Zeitabschnitt, meine Gegenwart, lassen sich jedoch nicht mehr 1:1 ins Jetzt übertragen.

 

Convention in Berlin, Mitte Juli 2017

Mein Wochenendtrip nach Berlin zum Treffen mit Bloggerfreunden* begann mit einem AUA-Flug mit Aussicht über meine Heimatstadt. Dabei kamen Zustände des Verwurzelt-seins und Emotionen der Demut und Dankbarkeit in mir hoch. Das ist meine Heimatstadt. Hier bin ich geboren. Hier lebe ich. Alles fühlt sich vertraut und geborgen an. Es breitet sich ein Gefühl von Sicherheit und achtsamer Beständigkeit in mir aus. Zwei Aspekte, die mir momentan sehr wichtig sind. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die genau das ausstrahlen. Und nicht zuletzt möchte ich diese Eigenschaften in mir selbst kultivieren.

Obwohl die Maschine mit Verspätung startete, kam ich dank rekordverdächtiger Flugzeit überpünktlich in Berlin-Tegel an. Vom Flughafen ging’s dann direkt ins gemeinsame Hostel und danach zum Lokal, wo wir alle erstmals zusammenkamen.

Für das gemeinsame Arbeiten am Samstag haben wir eine Seminar-Location in einer abgeschieden wirkenden Gegend mitten in Neukölln organisiert. Die hier vorherrschende Stille kombiniert mit meiner aktuellen Gefühlslage, die in mir ein Bedürfnis nach Zurückziehung und Sammlung auslösten, ließen diesen Workshop für mich persönlich teilweise wie ein Mini-Retreat wirken. Ich hatte bevor ich hierher kam die Befürchtung, dass ich in Bezug auf meine Blogentwicklung nicht auf demselben Level und in anderen Ebenen unterwegs bin wie meine Bloggerkollegen*. Dies traf insofern auch ein, dass ich bemerkte, dass ich das auch unbewusst ausstrahle. Meinem Coach Robert Kraxner, sozusagen Host dieser Convention, fiel auch sofort auf, dass etwas mit mir anders ist als sonst. Es war für mich sehr schön zu spüren, dass mir von ihm und auch allen anderen der Raum gegeben wurde, meine Bedürfnisse im Sinne meiner Eigenverantwortung mitzuteilen und danach zu handeln.

Heimwärts ging es dann am Sonntag nach einem letzten gemeinsamen Brunch – für mich gab’s den Premierenflug mit der Ryanair von Berlin-Schönefeld nach Bratislava und dann mit dem Bus nach Wien. Erschöpft, aber zufrieden kam ich dann abends zuhause an.

 

Sommerloch, Ende Juli – Mitte August 2017

Ich spiele dieses Spiel nicht mehr mit. Ich habe genug davon, mich selbst zu verleugnen. Kein Selbstbetrug, keine Kompromisse. Meine Gefühle sind echt und ich darf sie anderen mitteilen, ohne dabei jemanden zu verletzen, aber auch ohne mich dabei zu verletzen, indem ich mich verbiege. Das ist es mir nicht mehr wert. Nur um meine Mitmenschen zufriedenzustellen, damit kein Konflikt entsteht oder sie gar aus meinem Leben zu verlieren – nein, es gibt etwas Wichtigeres als die Liebe und Zuneigung von außen, nämlich die Liebe zu sich selbst. Der eigenen Linie treu bleiben – nicht darauf versteifen und immer wieder neu ausrichten, aber sie niemals verlassen.

Das ist ein Prozess und der ist natürlich nicht einfach, es tut sehr weh. Es geht darum, alte Denkmuster und Schmerzen zu erkennen und loszulassen.

Halt!

Dazu habe ich noch etwas erkannt…diese Denkmuster und Schmerzen entstehen durch Projektionen, diese wiederum durch Erlebnisse und Erfahrungen, die bis in die früheste Kindheit zurückreichen können. Solche Projektionen können sehr leicht und unbewusst auf andere Menschen übertragen werden. Ich schreibe dies nur deswegen, weil es eine Erfahrung ist, die ich selbst gemacht habe. Ich habe eine für mich wertvolle Person damit verletzt. Daraus durfte ich lernen, mein Bewusstsein mehr dahingehend auszurichten, meine Projektionen zu erkennen, mehr Sensibilität zu kultivieren und meine Gefühle in einer solchen Art und Weise auszudrücken, dass ich komplett zu mir selbst stehen kann und gleichzeitig auf die Gefühle anderer Acht gebe.

 

Rückzug, Ende August 2017

In der ersten meiner beiden Urlaubswochen hatte ich gemeinsam mit einem langjährigen Freund eine Reise nach Hamburg gebucht. Wir waren auch schon am Flughafen beim Boarding, als es plötzlich hieß, die Maschine sei kaputt. Nach einem mehrstündigen Aufenthalt auf den Gates hat sich herausgestellt, dass es für uns keinen vertretbaren Alternativflug gab und somit stornierten wir den ganzen Urlaub. Wären wir mit der Bahn gefahren, hätten wir in diesem Fall unser Ziel wohl doch eher erreicht…

Die nächsten Tage habe ich großteils daheim verbracht. Fad wurde mir dennoch nicht und fand auch kaum Zeit zum Schreiben, denn für das alljährlich angesetzte Retreat (Rückzug in ein buddhistisches Zentrum) für junge Menschen in der zweiten Woche gab es aufgrund von überraschend eintretenden Veränderungen viel zu überlegen und kommunizieren. Schließlich haben wir als private und selbstorganisierte Gruppe eine wunderschöne gemeinsame Woche erlebt – zumindest das hat sich im Vergleich zu den Jahren davor nicht geändert. Dabei konnte ich mich auch mit den Gefühlen und Erfahrungen, die ich in den Wochen zuvor erlebt hatte, nochmal auseinandersetzen.

Der Sommer ist zwar nun vorbei, aber manche Löcher lassen sich nur mühsam stopfen…

 

Der Wollknäuel, Mitte September 2017

Ich wollte ihn lösen, so wie mein inneres „Chaos“ – das perfekte Spiegelbild.
Es ist eine Geduldsfrage. Manchmal kommt man nicht weiter. Manchmal dreht man sich im Kreis. Manchmal muss man auch loslassen können. Erst wenn man die Dinge akzeptiert, wie sie sind, kommt man zur Lösung.

 

*allesamt männlich, daher nicht gegendert

Liebst du dich selbst?

Betrachtung meines Lebens
(mit einer kleinen Behinderung)

Bevor ich mit diesem Text anfange, möchte ich klarstellen, dass ich mir bewusst und auch sehr dankbar dafür bin, dass ich ein Leben mit hoher Qualität führen darf. Ich bin gesund, habe keine nennenswerten körperlichen Einschränkungen, lebe in einer eigenen Wohnung und finanziell geht es mir auch gut. Während andere, verteilt über den gesamten Globus, täglich ums Überleben kämpfen, verlieren sich hier in Europa viele im Wohlstand. Natürlich trifft jeder von uns im Leben auf Herausforderungen, die Emotionen hervorrufen. Ob man sie näher betrachten will, liegt in unserem eigenen Ermessen. Ich habe mich dazu entschlossen, folgenden Versuch einer Betrachtung meines Lebens mit euch zu teilen:

Ich kann es drehen und wenden, wie ich will, aber schließlich und endlich komme ich nicht darum herum, dass ich eine am Papier stehende und auch offensichtlich erkennbare Behinderung habe. Man kann sie natürlich auch netter ausgedrückt als Handicap, leichte Einschränkung, optisches Merkmal, ästhetische Auffälligkeit usw. usf. bezeichnen. Manchmal vergesse ich sogar, dass etwas an mir „anders“ ist. Schließlich renne ich ja nicht mit einem Spiegel vor meiner Nase herum. Doch meistens werde ich recht schnell in die Realität zurückgeholt, dafür verantwortlich bin wohl in erster Linie ich selber.

Es sind nicht einmal die irritierten Blicke von manchen Menschen, auf die ich vielleicht mal genervt reagiere. Die meisten kriege ich wahrscheinlich nicht mal mit und wenn, sind es größtenteils die von neugierigen Kindern. Nein, es sind diese vielen kleinen Alltagssituationen, wo es um zwischenmenschliche Kommunikation geht. Wenn man Offenheit und Sicherheit ausstrahlen sollte. Das ist es, was mir in manchen Situationen fehlt und wofür ich mich oft kritisiere, wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie ich es gerne gehabt hätte oder ich etwas anders hätte lösen können. Und woher kommt mangelnde Sicherheit mit gleichzeitiger erhöhter Neigung zu Selbstkritik? Oft sind es Glaubenssätze, die meist seit frühester Kindheit immer wieder in uns eingeimpft werden. Infolgedessen mangelt es vielerorts an Selbstvertrauen und Selbstliebe. So auch beim mir.

Wahrscheinlich denke ich zu oft darüber nach, was andere über mich denken. Gehe irgendwelche Kompromisse mit mir selber ein, nur um etwaige Konfrontationen im Außen zu vermeiden. Mache mich manchmal kleiner als ich bin. Weise mir die Außenseiterrolle zu. Bevorzuge das Alleinsein, obwohl es weh tut. Wirke auf andere verschlossen und unzugänglich, aus Angst, dass man mich nicht versteht. Gestehe mir keinen Platz in der Gesellschaft ein. (Wobei: Welche Gesellschaft? Haben wir überhaupt noch eine? Oder sind es sogar mehrere?)

Dann kann es passieren, dass ich entweder mich komplett zurückziehe und mit niemandem etwas zu tun haben will oder ich versuche, mich von einer „besseren“ oder anderen, nicht authentischen Seite zu zeigen. Und ich kann euch sagen, das will ich immer weniger machen, denn das kann einen ganz schön verkrampfen, wenn man eigentlich gar nicht anders kann als authentisch zu sein. Ich denke, das ist etwas, was jeder von uns in sich hat, aber wir haben verlernt, auf unsere innere Stimme zu hören. Wenn alle Menschen mehr auf ihren Bauch und ihr Herz hören und ausschließlich danach handeln würden, wäre unsere Welt mit Sicherheit ein besserer Ort.

Was hilft mir und was hält mich davon ab, ein authentischeres Leben zu führen?

Spiegel

Ein Spiegel hat für mich sowohl im physischen, als auch im metaphorischen Sinne eine kraftvolle Bedeutung.
Hast du schon einmal die Übung ausprobiert, vor einem Spiegel zu dir selbst nette Dinge zu sagen, zum Beispiel, dass du dich liebst? Wenn du das problemlos umsetzen kannst, dann kannst du dir wahrhaftig auf die Schulter klopfen, denn das ist sicherlich für viele Menschen leichter gesagt als getan, mich eingeschlossen. Aber dieser Mensch im Spiegel hat es sich auch verdient, öfter zärtlich behandelt zu werden.

Wenn ich den Spiegel als Metapher verwende, dann begegnet er mir jeden Tag unzählige Male, meistens eher unbewusst. Hast du schon einmal versucht, in jedem Mitmenschen einen Spiegel von dir selbst zu sehen? Was bemerkst du, wenn du in diese Spiegel schaust? Bist du dabei liebevoll? Wie agierst du, angefangen bei dir selbst und in weiterer Folge zu anderen Menschen?

Was ich aus diesen Übungen mitnehme, ist die Erkenntnis, dass ich durch die Begegnung mit anderen Menschen viel über mich selbst reflektieren kann. So wie ich über mich selber denke, so wirke ich auch auf andere. Und da sitzen wir alle im selben Boot, so geht es jeden von uns. Ich möchte dich herzlich einladen, solche Experimente in deinem Alltag mal auszuprobieren.

Dieser Ausschnitt aus einem Film ist einfach der Hammer und trifft den Nagel auf den Punkt:

Selbstvertrauen

(Sicherheitshinweis für Allergiker*innen: Dieser Teilartikel kann Spuren von zynischen bzw. ironischen Untertönen oder sogar Schimpfwörter enthalten.)

Das Vertrauen in sich selbst. In einer Zeit, wo es viele politische und gesellschaftliche Missstände gibt, wird Selbstliebe meiner Ansicht nach oft als Egoismus und arrogante Überheblichkeit missverstanden und in seiner positiven Wirkung unterschätzt. Das liegt nicht zuletzt an unseren „lieben“ Medien, die uns ständig vorgaukeln wollen, dass etwas mit uns nicht in Ordnung ist, was uns in unserem Leben nicht alles fehlt und überhaupt leben wir ja in einer furchtbaren und gefährlichen Welt, wo es geradezu verpönt ist, Sicherheit, Freude, Mitgefühl (ja, für alle Lebewesen!) und eben Selbstliebe zu verbreiten. Und wenn du es tust, dann bist du ein esoterischer Spinner, ein linkslinker Gutmensch oder einfach nur ein eingebildetes Arschloch.

Aber in ereignisreichen Zeiten wie diesen braucht es Menschen, wenn nicht eine ganze Gesellschaft, die an sich glaubt. Wer sich selber vertrauen kann, kann auch anderen vertrauen und mit Turbulenzen im Außen besser umgehen.

Selbstliebe

Die Liebe zu sich selbst. Wie bereits erwähnt, fällt es mir nicht immer leicht, liebevoll zu mir selbst zu sein. Mich anzunehmen, so wie ich bin. Doch die Basis für Liebe finde ich nur in mir selber. Niemand anderer kann sie mir geben! Diese Erkenntnis tut mir manchmal richtig weh, obwohl sie eigentlich eine positive Kernbotschaft hat: Du darfst dich selber lieben!

Ich durfte in meinen jungen Jahren sehr wohl schon ganz kleine Momente von bedingungsloser Selbstliebe erleben. Es ist für mich aber immer noch eine Illusion, zu glauben, dass wir Menschen uns ständig, jederzeit selbst lieben könnten. Sonst würden wir wohl gar nicht existieren. (Für alle, die daran glauben: Wir würden dann wohl im Nirwana oder von mir aus im Himmel schweben.) Leben ist nun einmal Leiden. Leben bedeutet, sich Herausforderungen zu stellen. Aber Leben ist auch Liebe. Und ohne Selbstliebe kann man auch keinen anderen Menschen auf dieser Welt bedingungslos lieben. Man muss und darf einfach bei sich selber anfangen, damit man für die ganze Welt strahlen kann.