So wie es war. Neulich in der Bahn

So wie es war. 

Neulich in der Bahn. 

Hier trifft man sich öfters. 

Ich sah erst, dass er links gegenüber von mir saß, als ich mich fürs Aussteigen vorbereiten wollte. In der einen Hand sein Bier, neben ihm abgelegt sein Rucksack.

”Ah, servas.” 

“ Wie geht’s in da Orbeit?” 

Wienerisch kann man nicht als App runterladen. 

“Ja, eh gut. Und bei dir?” 

“ Ned so guat. Heit hob i 3 Zeitungen verkauft.” 

Wohlstand kann man auch nicht als App runterladen. 

“ Des is ned vü. Naja bei dem Wetter…” 

“Oasch Weda heit. Wüst ane?” 

Während er seinen Rucksack öffnet, krame ich mein Geldbörsl hervor und finde erst mal nur Schotter. 

“Zwa-fuffzig warats.” 

Ich gebe ihm fünf. 

“Kriegst wos retour?” 

“Na, loss steckn.” 

“Wohnst du no bei die Ötern?” 

“Na, I wohn scho ala.” 

“ Host a schene Wohnung?” 

“Mhm.” 

“Wie groß?“ 

“Groß genug für mich.” 

“Wos zoist?” 

“xxx.” (Eigentlich hab ich irgendwas gesagt. Ein bisschen Understatement halt.) 

“Kriegst du wos zruck?” 

“Na, loss steckn.” 

“Oasch Weda heit.” 

“Jo, heit is schiach.” 

“Wos oabeitst du?” 

“…” 

“Wos mochst jetzt no? Kochst wos?” 

“Jo, I wer ma jetzt no wos mochn.” 

“I hob ma gestern Spare Ribs kauft.” 

“Wo hostn de kauft?” 

 “Beim Billa. Kriegst du wos zruck?” 

“Na, loss steckn.” 

Ich verabschiedete mich, da der Zug in die Station einfuhr und ging Richtung Tür. 

Er wünschte mir noch einen schönen Tag. 

Normalerweise geb ich selten was her. Ich kann ja nicht allen helfen und es gibt auch viele Betrüger, sage ich mir oft. Aber diesmal hatte ich dieses naive, aber unzerstörbare Gefühl, als hätte ich gerade die Welt verändert.